Hello, I’m Macintosh – Wie der Apple Macintosh die Welt veränderte

Hello. I’m Macintosh.

Zwei Tage nach der Ausstrahlung des 1984-Werbespots führte Jobs am 24. Januar 1984 auf der Aktionärsversammlung von Apple erstmals in der Öffentlichkeit vor, wofür sein Team monatelang bis zum Umfallen gearbeitet hatte. Bei der Demo spielte der Mac die Titelmusik von “Die Stunde des Siegers”. Das Wort MACINTOSH lief horizontal über den Bildschirm, gefolgt von einer Serie von Screenshots, die die grafischen Möglichkeiten des Mac unterstreichen sollten. Dann verkündete der Computer mit elektronischer Stimme: “Hallo. Ich bin Macintosh.” Der Saal tobte.

Die Präsentation des ersten Macintosh auf der Aktionärsversammlung von Apple am 24. Januar 1984.

Apple bot den ersten Macintosh zum Preis von 2495 US-Dollar an – inflationsbereinigt entspricht das heute (Januar 2019) knapp 6200 US-Dollar. Der Mac war der erste Rechner mit einer grafischen Desktop-Oberfläche, den sich auch Privatanwender leisten konnten. Statt des schwachen 6809 haben die Entwickler den Motorola 68000 verbaut, der mit 8 MHz getaktet war und auf 128 Kilobyte Arbeitsspeicher zugreifen konnte. Der Prozessor trug seinen Namen, weil er aus 68 000 Transistoren bestand. Zum Vergleich: Apples A12-Chip, der im iPhone XS, XS Max und iPhone XR steckt, besteht aus 6,9 Milliarden Transistoren.

Ein 3,5″-Floppylaufwerk von Sony mit 400 Kilobyte Speicherplatz und ein kleiner 9″-Bildschirm vervollständigten den Macintosh. Wie der Vorgänger Lisa war auch er mit einer grafischen Bedienoberfläche und einer Maus ausgestattet, sodass die Anwender sich nicht mit Kommandozeileneingaben herumquälen mussten.

Das Konzept des Macintosh überzeugte viele Enthusiasten sofort. Der kommerzielle Erfolg des Mac stellte sich jedoch erst nach einer längeren Durststrecke ein. Im Sommer 1981 war Apple noch davon ausgegangen, bis 1985 über 2,2 Millionen Macs verkaufen zu können, also rund 47 000 Stück pro Monat. Doch der Macintosh kam erst Anfang 1984 auf den Markt. Und nachdem die Fans ihren ersten Kaufrausch befriedigt hatten, sackte der Absatz dramatisch auf rund 5000 Geräte pro Monat ab. In Deutschland war der Mac zwar der Star der Hannover Messe im Frühsommer 1984. Er verschwand dann aber zunächst wieder in der Versenkung.

“Der Mac konnte einfach nicht viel”

Dafür gab es auch einige handfeste Gründe. In einem TV-Interview erinnerte sich der damalige Apple-Chef John Sculley später: “Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.”

Der ehemalige Apple-CEO John Sculley zu den Anlaufschwierigkeiten des Apple Macintosh (Zitat aus der TV-Doku “Triumph Of The Nerds”, 1996)

Der mit 128 Kilobyte viel zu eng bemessene Hauptspeicher machte diese Aufgabe aber nicht einfach. Erst als ein Jahr später der “Fat Mac” mit 512 Kilobyte DRAM auf den Markt kam, war der Flaschenhals beseitigt. Er war der erste Macintosh, mit dem man vernünftig arbeiten konnte.

Der Mac ohne Steve Jobs

Steve Jobs, der im Sommer 1985 von Sculley und dem Apple-Vorstand aus dem Unternehmen gedrängt worden war, musste die ersten Erfolge des Macintosh am Markt von außen beobachten: Erste Desktop-Publishing-Programme wie PageMaker erschienen für den Mac. In Kombination mit dem Apple LaserWriter und dem von Adobe geschaffenen Seitenbeschreibungsstandard PostScript krempelten Apple, Adobe und Aldus die Technik der Publishing-Branche völlig um.

1986: Der Macintosh Plus begründete zusammen mit dem LaserWriter die erste Generation des Desktop-Publishing (DTP). (Bild: By Rama. – Own work, CC BY-SA 2.0 fr, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2734819

Dieser Trend verstärkte sich, als Anfang 1986 der Macintosh Plus mit 128 Kilobyte ROM auf den Markt kam. Die Speicherchips waren nun nicht mehr fest auf der Platine verlötet, sondern gesockelt.

So konnte man das Gerät auf bis zu vier Megabyte RAM aufrüsten. Der Mac Plus hatte sogar Cursor-Tasten, die Steve Jobs beim ersten Mac noch entschieden abgelehnt hatte. Er wollte die Anwender zwingen, die Maus als Eingabeinstrument zu akzeptieren.

Teures Performance-Wunder Macintosh II

Mit dem Macintosh II brachte Apple 1987 den ersten Mac auf den Markt, der modular aufgebaut war. Für 5200 Dollar erhielten die Kunden ein System mit einer 20 Megabyte großen Festplatte, sechs NuBus-Slots und SCSI. Mithilfe der von Texas Instruments entwickelten NuBus-Technik ließ sich der Mac II intern und über SCSI auch extern erweitern. An einen Port konnten die Besitzer bis zu sieben externe SCSI-Geräte – etwa eine Festplatte oder ein CD-ROM-Laufwerk – anschließen. Angetrieben wurde der Mac II von einem 68020-Prozessor, der mit 16 MHz getaktet war. Grafiker und DTP-Spezialisten jubelten über den Performance-Gewinn. Ein komplett ausgebautes System mit Farbgrafikkarte, Speichererweiterungen und sonstigem Zubehör verschlang bis zu 10 000 Dollar.

Parallel zum großen Mac II veröffentlichte Apple im März 1987 den Macintosh SE, den ersten kompakten Mac mit einer eingebauten Festplatte (20 Megabyte). Der vorhandene Erweiterungsslot ließ sich nicht von den Anwendern, sondern nur von Servicetechnikern bestücken, weil man sich an der Bildschirmröhre leicht einen Hochspannungsschlag holen konnte. Der Mac SE diente einer ganzen Generation von Grafikern und Publishern als solides Arbeitspferd.

Weitaus exklusiver als der SE war der Macintosh IIfx, der im Frühjahr 1990 mit System 6.0.5 in die Läden kam – mit einem Preisschild von 9870 Dollar. In dem Rechner steckte der Motorola-Prozessor 68030, der von dem mathematischen Coprozessor Motorola 68882 unterstützt wurde. Dieses hochgezüchtete Rennpferd, das mit 40 MHz getaktet war, blieb aber für viele unerschwinglich.

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