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Wie Steve Jobs das Macintosh-Projekt entdeckt hat

Mit dem Börsengang von Apple Computer im Dezember 1980 wurde Steve Jobs zum Multimillionär – doch er besaß nicht genügend Aktien, um Apple Computer insgesamt und damit auch seine eigene Aufgabe innerhalb von Apple bestimmen zu können. Anfang 1981 stand er zumindest ohne Verantwortung für ein bestimmtes Projekt da. Zum Leidwesen von Jef Raskin stürzte sich Jobs auf das Macintosh-Projekt, das zu diesem Zeitpunkt im Apple-Verwaltungssrat (Board) noch nicht so richtig ernst genommen wurde.

Doch Steve Jobs wusste, was er wollte: Er hatte bei Xerox PARC die grafische Benutzeroberfläche des Xerox Alto gesehen. Statt grüner Buchstaben auf dunklem Hintergrund sah man weiße Dokumenten-Fenster mit schwarzer Schrift – wie bei einem Blatt Papier. Verschiedene Schriftarten konnten ausgewählt werden. Die Grafikkarte steuerte auf dem Bildschirm frei einzelne Pixel an. Mit Hilfe einer Maus konnte ein Zeiger auf dem Bildschirm bewegt werden, um Texte zu markieren oder Befehle auszuführen. Dateien wurden durch Symbole auf einem virtuellen Schreibtisch repräsentiert.

Demo des Xerox Alto (aus: Triumph of the Nerds)

Den Alto konnte man nicht kaufen. Allein der Hauptspeicher dieses Experimental-Computers hätte zu diesem Zeitpunk rund 7000 Dollar gekostet. Jobs wollte einen Computer noch besser als der Alto – und auch besser als Apples Lisa. Die neue Wundermaschine sollte aber nur einen Bruchteil von Lisa kosten, für den man inklusive externer Festplatte rund 12 000 Dollar zahlen musste.

Piratenflagge über dem Gebäude der Mac-Entwickler 'Bandley III'
Piratenflagge über dem Gebäude der Mac-Entwickler 'Bandley III'

Innerhalb von Apple sammelte Jobs eine kleine, verschworene Mannschaft zusammen – und nahm auf andere Projekte im Haus keine Rücksicht. Andy Hertzfeld, einer der wichtigsten Software-Designer im Macintosh-Entwicklungsteam, erinnert sich: „Steve platzte in mein kleines Cubicle-Büro herein und sagte, ‘Okay, Du arbeitest jetzt am Mac.’ Ich sagte ihm, dass ich noch ein paar Tage brauche, um eine Arbeit für den Apple II abzuschließen. Doch er sagte einfach ‘Nein’ und zog den Stromstecker von meinem Apple II aus der Steckdose. Ich konnte noch nicht einmal meine Arbeit speichern.“ Jobs nahm Hertzfelds Rechner, packte ihn in den Kofferraum seines Autos, und fuhr ihn zum benachbarten Gebäude „Bandley III“, in dem Jobs das Macintosh-Team versammelt hatte. „Was blieb mir anderes übrig, als ihm zu folgen?“

Die Macintosh-Piraten

Auf dem Dach „Bandley III“ wehte eine Piratenflagge mit dem Apple-Symbol als Augenklappe – und an Deck des virtuellen Piratenschiffs stand mit Steve Jobs ein Mann, der es allen bei Apple beweisen wollte. Sein erstes Opfer wurde Jef Raskin, der lange gegen den Einsatz einer Maus gekämpft hatte und statt dessen einen Stift oder Joystick bevorzugt hatte. Nachdem Jobs seinem Widersacher die Verantwortung für die Software abgenommen hatte, gab Raskin entnervt auf und verließ im März 1982 Apple Computer. Rückblickend kann Raskin für sich beanspruchen, als erster bei Apple die Vision eines preiswerten, einfach zu bedienenden Volkscomputers vorgelegt zu haben. Um „seinen“ Macintosh unter der Preisschwelle von 1500 Dollar zu halten, wollte Raskin jedoch auch technische Kompromisse eingehen, die den Erfolg des Macs gefährdet hätten. So wollte er etwa aus Kostengründen den Hauptspeicher unbedingt auf winzige 64 Kilobyte begrenzen. Jobs setzte 128 Kilobyte durch – und selbst dieser Platz war später für die Systemprogrammierer eigentlich viel zu eng. Raskin hielt nicht viel von den Innovationen, die das Lisa-Team im Xerox PARC aufgeschnappt hatten und lehnte deshalb auch den Umstieg auf den leistungsfähigeren 68000er-Prozessor ab, der auch in dem Lisa steckte. Was aus dem Mac geworden wäre, wenn Raskin sich mit seiner extremen Sparsamkeit und seinem Widerstand gegen die Maus durchgesetzt hätte, ist kaum vorstellbar. Nachdem die inneren Zwistigkeiten beigelegt waren, konzentrierte sich das Mac-Team nun voll auf den firmeninternen Wettstreit mit der viel größeren Lisa-Entwicklungsmannschaft. Jobs hatte zuvor aus dem Lisa-Team geniale Programmierer wie Bill Atkinson und Steve Capps abgeworben.

Liebe und Hass

Als Projektmanager war Steve Jobs nicht nur innerhalb von Apple sehr umstritten: „Er war manchmal unausstehlich – und dass kommt von seinen hohen Anforderungen. Er stellt extrem hohe Anforderungen“, erinnert sich der Erfinder des Netzstandards Ethernet, Bob Metcalfe, der damals als Forscher im benachbarten Forschungsinstitut Xerox PARC arbeitete. „Und er hat keine Geduld mit Leuten, die entweder diese hohen Anforderungen nicht teilen oder sie nicht erfüllen.“ Dennoch hält Metcalfe noch heute viel von Jobs, denn er setzte die im Xerox PARC geschaffene Vision in die Wirklichkeit um. „Steve Jobs steht auf meiner Liste der Ewigen Helden. Und er kann nichts tun, um da wieder herunterzukommen.“

Larry Tessler und Bob Metcalfe über Steve Jobs (aus: Triumph of the Nerds)

Die Hochachtung für Jobs teilt auch Andy Hertzfeld, der den Systemkern des Mac im Macintosh-ROM geschrieben hat, obwohl er manchmal unter den Wutattacken seines Chefs zu leiden hatte: „Steve war sehr verärgert, dass der Mac zunächst so lange zum Booten brauchte. So versuchte er (den Software-Entwickler) Larry Kenyon zu motivieren. Er erzählte ihm: Du weißt, wie viele Menschen diese Maschine kaufen werden? Es werden Millionen sein. Stellen wir uns vor, dass Du die Maschine eine Sekunde schneller booten lassen kannst. Das macht bei zehn Millionen Nutzern 360 Millionen Sekunden im Jahr. Das entspricht 50 Menschenleben. Würdest Du nicht auch drei Tage investieren, um 50 Menschenleben zu retten. Es war ein netter Weg, so über das Problem nachzudenken.“ Kenyon machte sich noch einmal an die Arbeit und verkürzte den Bootvorgang um weitere drei Sekunden.

Apple Lisa und Apple Macintosh

Im internen Wettstreit bei Apple, ob der Lisa oder Macintosh früher fertig wird, zog Jobs den Kürzeren. Er verlor eine persönliche 5000-Dollar-Wette gegen den Lisa-Teamchef John Couch, als der Apple-Businesscomputer im Januar 1983 – und damit letztlich ein Jahr vor dem Macintosh – auf den Markt kam. Doch der Lisa-Computer erwies sich bald als riesiger Flop. Mit 10.000 Dollar (ohne Festplatte) war er viel zu teuer, die grafische Benutzeroberfläche verschlang die Power des Lisa, so dass der Rechner nicht besonders flott arbeitete. Es fehlten die notwendigen Programme, um die Geschäftswelt in Massen zum Kauf des Lisa zu bewegen. Außerdem hatte die neu aufgestellte Vertriebsmannschaft kaum Erfahrungen im Umgang mit Corporate America.

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