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Die Geschichte des Apple Macintosh

Zum 30. Geburtstag des Apple Macintosh habe ich eine aktualisierte und erweiterte Strecke zur Geschichte des Apple Macintosh geschrieben:

30 Jahre Apple Macintosh

Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
Teil 9: Die Zukunft des Macs

Mit dem Macintosh revolutionierte Apple im Jahr 1984 die gesamte Computer-Industrie. Steve Jobs und sein geniales Macintosh-Team sorgten mit ihrem Konzept dafür, dass Computer auch von dem normalen „Menschen auf der Straße“ – und nicht nur von Experten – bedient werden konnte.

(English version: The History of the Apple Macintosh)

Apple Macintosh (1984)

Der erste Apple Macintosh (1984)
[ high res version ]

„Insanely great“ – „Wahnsinnig toll“ – Steve Jobs konnte seine Begeisterung zum Marktstart des ersten Macintosh kaum in Worte fassen. Auf der legendären Aktionärsversammlung am 24. Januar 1984 im Flint Center unweit des Apple Campus in Cupertino zitierte der Apple-Mitbegründer zunächst Bob Dylans „The Times They Are A-Changin’“, um dann gegen eine drohende Vorherrschaft der jungen Computerindustrie durch IBM zu polemisieren. „IBM will sich alles unter den Nagel reißen und richtet seine Gewehre gegen das letzte Hindernis, um die Computerbranche zu kontrollieren: Apple. Wird Big Blue die gesamte Computer-Industrie beherrschen? Das gesamte Informations-Zeitalter? Hatte George Orwell recht?“ Die Menge, darunter das komplette Macintosh-Entwicklerteam, schrie zurück: „Nooooo!“

Steve Jobs

Steve Jobs

Bislang habe es in der Computer-Industrie nur zwei Meilenstein-Produkte gegeben: den Apple II im Jahr 1977 und der IBM PC in 1981, sagte Jobs weiter. „Heute (…) führen wir das dritte Meilenstein-Produkt ein, den Macintosh. Viele von uns haben über zwei Jahre lang am Macintosh gearbeitet und er ist wirklich wahnsinnig toll geworden.“ Schaut man sich heute die Geschichte des Personals Computers an, lag Steve Jobs damals mit seinem historischen Vergleich richtig, wenngleich nicht IBM über die Jahre zum großen Beherrscher der Computer-Industrie wurde, sondern die Allianz aus Microsoft und Intel.

Die Vorstellung des ersten Macs am 24. Jan. 1984 aus den „Lost 1984 Videos“

Vor dem Entwicklungsteam des Macintosh hatten schon andere versucht, einen Computer mit einer Maus und einer grafischen Benutzeroberfläche zu bauen – ein Jahr zuvor Apple selbst mit dem 10 000 Dollar teuren Businessrechner Lisa.

Werbespot für den Apple Lisa

Doch der Lisa-Computer erwies sich bald als riesiger Flop. Mit 10 000 Dollar (ohne Festplatte) war er viel zu teuer, die grafische Benutzeroberfläche verschlang die Power des Lisa, so dass der Rechner nicht besonders flott arbeitete. Es fehlten die notwendigen Programme, um die Geschäftswelt in Massen zum Kauf des Lisa zu bewegen. Außerdem hatte die neu aufgestellte Vertriebsmannschaft kaum Erfahrungen im Umgang mit Corporate America.

Im Gegensatz zu seinen elitären Vorgängern sollte der neue Macintosh nicht nur wenige Experten im kalifornischen Silicon Valley begeistern, sondern die Massen erobern – und den Standard für zukünftige Computer-Generationen setzen. Computer-Kolumnist Bob Ryan erkannte damals sofort den revolutionären Kern des Macs. „Das ist eine Maschine, die die Massen der Menschen anspricht, die weder Zeit noch Lust dazu haben, den langen Lern-Prozess zu beginnen, der notwendig ist, um die Komplikationen der gegenwärtige Generation der Personal Computer beherrschen zu können.“


Die Entwickler des Macintosh stellen den Mac vor

[ siehe auch die Artikel:

* Es begann mit “Annie” – Erste Entwürfe für einen Volkscomputer

* Steve Jobs entdeckt das Macintosh-Projekt]

Gegen Big Brother IBM

Mit dem neuartigen Macintosh glaubte Apple einen Weg gefunden zu haben, dem Computer-Giganten IBM wieder die Führerschaft im damals noch jungen Markt der Personal Computer abnehmen zu können.

IBM PC

IBM hatte seinen ersten PC im Jahr 1981 vorgestellt und innerhalb weniger Monate den Apple II als erfolgreichsten Personal Computer vom Thron gestoßen. Innerhalb drei Jahre verkaufte „Big Blue“ über zwei Millionen IBM-PC. Daher richtete sich die 15 Millionen Dollar teure Werbekampagne von Apple zur Markteinführung des Macintosh direkt gegen IBM. Die gewaltige Werbeaktion war letztlich auch dafür verantwortlich, warum Apple den ursprünglich geplanten Startpreis des Mac um 500 Dollar auf 2495 Dollar erhöhte.

Lisa-Flop bringt Apple in Not

Der Misserfolg des Lisa brachte Apple 1983 in eine gefährliche Schieflage. Die bisherige Cash-Cow, der Apple II, bot inzwischen nicht mehr taufrische Technologie und sah sich einem scharfen Wettbewerb mit dem IBM PC ausgesetzt. Nun musste der Macintosh Apple Computer vor dem Untergang retten. Im ersten Businessplan war Apple im Sommer 1981 davon ausgegangen, dass zwischen 1982 und 1985 über 2,2 Millionen Macs verkauft werden können, also rund 47 000 Stück pro Monat. Doch nun kam der Mac erst Anfang 1984 auf den Markt. Und nachdem die Gemeinde der Computer-Nerds (zumindest diejenigen, die sich den ersten Mac leisten konnten) ihren Kaufrausch befriedigt hatte, sackte der Absatz des Macintosh dramatisch auf rund 5 000 Geräte pro Monat ab.

Apple Macintosh

Apple Macintosh 128k (1984)

Apple musste damals seinen Kunden erst einmal erklären, wie ein Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche überhaupt bedient wird: Bei einer „Test Drive“-Aktion konnten sich Interessenten einen Macintosh nach fachkundiger Anleitung ausleihen. „Es war für die meisten Computerbenutzer etwas gänzlich neues, einen Zeiger mit der Maus zu bedienen, Menüleisten anklicken und Fenster hin und her schieben zu können. Die Nutzung war intuitiv, Tastaturkommandos musste sich niemand mehr merken, eine Kommandozeile existierte beim Macintosh nicht mehr“, schreibt Ben Schwan bei heise.de. Aber auch die „Test-Drive“-Aktion löste nicht die Absatzprobleme, zumal für diese Promo zu wenig Geräte zur Verfügung standen und etliche Interessenten die Macs in einem jämmerlichen Zustand zurückbrachten, so dass die Rechner erst wieder neu aufgesetzt werden oder repariert werden mussten.


Werbevideo für die „Test Drive“-Aktion

Am zunächst schleppenden Absatz konnte auch Apple-Chef John Sculley nicht viel ändern. Steve Jobs hatte Sculley von Pepsi mit dem Satz “Möchten Sie wirklich den Rest Ihres Lebens damit verbringen, Zuckerwasser zu verkaufen oder die Chance zu ergreifen, die Welt zu verändern?” abgeworben, um das Management und Marketing bei Apple zu professionalisieren. Und zunächst arbeiteten Jobs und Sculley bei Apple trotz sehr unterschiedlicher Führungsmethoden harmonisch und wurden von der Öffentlichkeit als „Dynamic Duo“ bei Apple gefeiert. Doch der schleppende Absatz des Macs ließ bald ernste Spannungen zwischen Jobs und Sculley aufkommen.

John Sculley im Film „Triumph of the Nerds“ (PBS)

Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne tun wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.
John Sculley

Dem Mac fehlten damals einfach die Anwendungen, die im IBM-Werbespot für den PC die Charlie-Chaplin-Figur Karton für Karton durchs Bild schleppte. Daher bemühten sich Guy Kawasaki und andere „Software Evangelists“ von Apple die Entwickler in anderen Softwarefirmen davon zu überzeugen, Programme für den Mac zu schreiben. Das mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene Arbeitsspeicher (RAM) des Mac machte diese Aufgabe nicht einfach. Erst als ein Jahr nach dem ersten Macintosh der „Fat Mac“ mit 512 Kilobyte raus kam, war der enge Flaschenhals beseitigt.

Das Problem spitzte sich zu, als Anfang 1985 sich in der Lagern die Macs türmten, die im Weihnachtsgeschäft 1984 keine Käufer gefunden hatten. Apple musste den ersten Quartalsverlust in der Unternehmensgeschichte veröffentlichen und ein Fünftel der Belegschaft entlassen. In einem Marathon-Meeting am 10. und 11. April 1985 verlangte Apple-CEO John Sculley, Steve Jobs den Posten eines Apple Vicepresident und General Managers der Macintosh-Abteilung zu entziehen. Jobs wehrte sich und wollte Sculley als CEO ablösen lassen. Doch das Board von Apple stützte des Ex-Pepsi-Mann. Am 17. September 1985 verließ Jobs die Firma, die selbst mitbegründet hatte. Details zu diesem Machtkampf stehen im Artikel Showdown bei Apple: John Sculley vs. Steve Jobs).

Erfolg im zweiten Anlauf

1987 verkaufte Apple eine Millionen Macs und spielte plötzlich wieder in der IBM-Klasse mit. Über die Hälfte der 2000 Dollar für einen Mac landeten als Gewinn bei Apple. Und Sculley und seine Kollegen im Apple-Vorstand glaubten, dass die User immer bereit seien, für bessere Technik auch viel mehr Geld zu zahlen. In diesen Jahren hat Apple die gigantische Chance versäumt, den Mac als allgemeinen Industriestandard zu etablieren. Man hätte damals nur entweder die Preise dramatisch senken müssen oder ein breites Lizensierungsprogramm mit anderen Hardware-Herstellern eingehen müssen. Mit der Vorstellung von Windows 3.0 im Jahr 1990 schloss sich dieses „Fenster der Möglichkeiten“.

iMac Bondi blueAls Steve Jobs Anfang 1997 in schwierigen Zeiten für Apple zunächst als Berater, dann als Chef zu seinem alten Unternehmen zurückkehrte, war der Wettstreit zwischen Apple Computer und Microsoft um den Industriestandard längst entschieden. Ihm gelang es dann mit neuen Apple-Talenten wie Jonathan Ive nicht nur, die Firma wieder auf die Erfolgskurs zu setzen, sondern auch Zeichen in der Branche zu setzen.

Mit dem iMac verblüffte Jobs auch gestandene Pioniere der Computerbranche: „Manchmal hat das, was Apple tut, einen elektrifizierenden Effekt auf uns alle“, meinte Intel-Mitbegründer Andy Grove. „Den iMac hätten wir niemals schaffen können, aber Apple ist einfach nach vorne gegangen und hat es getan.“

Steve Jobs über die Kern-Werte von Apple (vermutlich 1998)

Die legendäre Werbe-Kampagne „Think different“

siehe auch:

Die Geschichte von Apple Computer von 1976 – 2008

Zeitleiste – Die Entwicklung von Apple seit 1976 | Mac History.

Christoph Dernbach

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Vor seinem Tod gab Apple-Chef Jobs seinem Nachfolger einen wichtigen Rat. Er solle sich niemals fragen: "Was würde Steve jetzt tun?": Das hindert Beobachter nicht daran, genau immer wieder diese eine Frage zu stellen - zumal Apple erstmals seit Jahren nicht mehr wächst.

11 comments

  1. Gute Zusammenfassung!

    Finde das letzte Video zum Vergleich der heutigen Keynotes lustig!

  2. Schön zusammengestellt. Danke.

  3. Ich habe viel Spaß auf deinen Seiten gehabt, viel neues erfahren, einiges vergessen geglaubtes Wiederentdeckt und den Grund für meine „Liebe“ zu Apple bestätigt gefunden.
    Vielen Dank.
    Ich habe dich „gebookmarkt“ und werde oft wieder reinschauen.

    Gruß
    ein Applejünger

  4. Hallo,

    sehr schönes Museum hier, danke dafür. Ein Tip: Der „25th Anniversary Mac“ fehlt völlig. Und das Ding (ich habe einen) war doch wirklich erwähnenswert.

    LG

    AH

  5. @Arnulf Haubold Meinen Sie den „20th Anniversary Mac“? Der Artikel dazu steht hier. Zum 25. Geburtstag von Apple gab es meines Wissens nach kein Sonder-Modell.

    Twentieth Anniversary Macintosh

    Twentieth Anniversary Macintosh

  6. Hi,

    genau den meinte ich……….. hab‘ mich um 5 Jahre vertan. ;o)

    Danke für den Hinweis.

    LG

    A. Haubold

  7. ich und Apple haben ihm viel zu verdanken. vivala apple

  8. Wunderschön! Ich gehöre zu den Anwendern der ersten Stunde und habe keinen Tag bereut!

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