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30 Jahre Apple Macintosh – Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)

30 Jahre Apple Macintosh – Teil 5

Rund zwölf Jahre nach seinem Rauswurf bei Apple kehrte Steve Jobs in das von ihm mitbegründete Unternehmen zurück. Im Februar 1997 übernahm Apple für 429 Millionen Dollar NeXT Inc. hauptsächlich wegen NeXTstep inklusive aller Entwickler – und holte Jobs als Berater in das Unternehmen zurück. Sieben Monate später, am 16. September 1997, saß Steve Jobs endlich im Chefsessel des von ihm einst mitbegründeten Unternehmens, nachdem Amelio vom Apple-Board gefeuert worden war.

Man darf es als Glücksfall werten, dass Jobs auf den völlig frustrierten britischen Apple-Designchef Jony Ive aufmerksam wurde. Ive wollte eigentlich das Unternehmen schon verlassen, weil seine vorherigen Chefs kein Gespür für Design hatten. Doch Jobs überredete ihn zum Bleiben.

Jony Ive
Jony Ive

Der erste große gemeinsame Wurf von Jobs und Ive war der iMac, dessen öffentliche Präsentation am 6. Mai 1998 so sorgfältig geplant wurde wie die Vorstellung des ersten Apple Macintosh 14 Jahre zuvor. Jony Ive hatte mit dem halbdurchscheinenden Gehäuse aus Polycarbonat ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt. Und auch technisch setzte Apple neue Akzente. So suchte man in dem iMac ein Diskettenlaufwerk ebenso vergeblich wie die damals üblichen seriellen Anschlüsse für Drucker oder Modems. Stattdessen hatte sich Apple für die noch sehr wenig verbreitete USB-Schnittstelle entschieden und dem iMac ein CD-ROM-Laufwerk spendiert. Weiterhin gab es eine Ethernet-Netzwerkbuchse sowie eine Modem-Buchse, die lediglich mit dem Telefonkabel verbunden werden musste.

iMac (1998)
iMac (1998)

Auf der Bühne des De Anza Community College in Cupertino, wo 1984 auch die Premiere des ersten Macintosh stattgefunden hatte, konnte Steve Jobs demonstrieren, wie einfach es ist, den iMac auszupacken, in Betrieb zu nehmen und ins Internet zu bringen.

Der Apple-CEO nutzte die Präsentation des ersten iMacs auch zur Verkündung der neuen Produkt-Strategie im Computer-Segment. Statt einer unübersichtlichen Palette verschiedenster Mac-Modelle, die zum Teil nur schwierig voneinander abzugrenzen waren, ordnete Jobs die Apple-Rechner in eine einfache Matrix von nur noch vier Feldern: Desktop und Portable jeweils in den Varianten Consumer und Pro. Mit dem Power Mac G3 hatte Apple schon im November 1997 den Pro-Desktop präsentiert.

Das reduzierte Mac-Sortiment unter Steve Jobs
Das reduzierte Mac-Sortiment unter Steve Jobs

Parallel zum iMac erlebte nun das PowerBook G3 als der neue Profi-Laptop seine Premiere. Und der iMac füllte das Feld Desktop/Consumer. Im Sommer 1999 komplettierte Apple dann das Vierer-Feld mit dem iBook G3 als Consumer-Notebook.

Steve Jobs präsentiert das erste iBook (2001) - Foto: John G. Mabanglo/EPA
Steve Jobs präsentiert ein neues iBook (2001) – Foto: John G. Mabanglo/EPA

Der erste iMac kam im August 1998 zum Preis von 1299 Dollar (heute umgerechnet knapp 1400 Euro) auf den Markt und erwies sich trotz des technisch betagten System 8.1 als Verkaufsknüller. Allein in den ersten sechs Wochen wurden 278.000 Geräte verkauft. Ende 1998 waren es 800.000 – so schnell hatte sich noch nie ein Macintosh verkauft. Und Apple konnte mit dem iMac nicht nur alte Fans begeistern. Jeder dritte Käufer war ein Einsteiger, der noch nie zuvor einen PC besessen hatte, und 12 Prozent der Kunden stiegen aus dem Windows-Lager um.

Das iBook war dann quasi der „iMac zum Mitnehmen“. Hier setzte Jony Ive eine durchaus kontrovers diskutierte modische Duftmarke: Die iBooks im schwungvoll gestalteten Polycarbonat-Gehäuse gab es in den Kombinationen „Tangerine“ (Orange) und „Blueberry“ (Türkisblau) mit Weiß. Später kamen die Farbkombinationen „Graphite“, „Indigo“ und „Key Lime“ dazu. Wegen seines Tragegriffs bekam das iBook wenig schmeichelhafte Spitznamen wie „Barbie-Handtasche“ oder „Klodeckel“.

iBook-Trio (1998)
Buntes iBook-Trio (1998)

Bei der Bewertung der Technik gab es weniger Kontroversen: So punkteten die iBooks mit einem ausgeklügelten Energie-Management, das Akkulaufzeiten von bis zu sechs Stunden ermöglichte und das iBook automatisch in den Schlafmodus übergehen ließ, wenn der Anwender den Deckel zuklappte. Beides war revolutionär. Auch bei der Grafik konnte das iBook gegenüber den Windows-Konkurrenten von Toshiba und IBM überzeugen: Statt des bei einfachen Laptops üblichen Passivmatrixbildschirms war das iBook mit einem hochwertigen TFT-Display mit 800×600 Pixeln Auflösung ausgestattet.

Mit dem iMac und den iBooks verblüfften Jobs und Ive jedenfalls gestandene Pioniere der Computerbranche. Nur Bill Gates, damals noch Microsoft-Chef, tat die neuen Macs als flüchtige Modeerscheinung ab. „Es gibt nun eine Sache, die Apple nun erreicht hat: die Führungsposition bei den Farben“, spottete Gates. Die Absatzzahlen gaben der neuen Apple-Führung aber Recht.

Steve Jobs und Jony Ive feierten in dieser Phase aber nicht nur Triumphe, sondern mussten auch Rückschläge einstecken – auch weil beide ihren Designeifer übertrieben. Im Juli 2000 stellte Jobs auf der Macworld im heißen New York den Power Mac G4 Cube vor. Dieser Würfelrechner aus Acryl erschien wie eine verkleinerte Neuauflage des NeXT Cube, den Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple hatte konstruieren lassen. Mit einer kaminähnlichen Konstruktion des Innengehäuses, durch die die erwärmte Luft nach oben abzog, konnte auf einen aktiven Lüfter verzichtet werden – obwohl im Innern ein mit bis zu 450 MHz getakteter PowerPC-Prozessor G4 für ordentlich Hitze sorgte.

Power Mac G4 Cube (2000)
Power Mac G4 Cube (2000)

Jony Ive war es gelungen, die ästhetischen Vorstellungen seines Chefs perfekt umzusetzen, sodass der Würfel es schnell in das Museum of Modern Art schaffte. Auch die technischen Daten des schnellen Cubes wussten zu überzeugen. Dennoch geriet der G4 zum Flop. Mit einem Preis von 1.799 Dollar (inflationsbereinigt heute knapp 1.900 Euro) war er vielen Apple-Kunden zu teuer. „Echte Schreibtischarbeiter wollten keine Skulptur, sondern ein Arbeitsgerät, und auf dem Massenmarkt ließ sich der gegenüber Rechnern mit vergleichbarer Leistung doppelt so hohe Preis nicht durchsetzen“, lautet das Fazit von Jobs-Biograf Walter Isaacson.

Eigentlich hatte Apple geplant, 200.000 G4 Cubes im Quartal absetzen zu können. Doch der Würfel erreichte im ersten Vierteljahr nur die Hälfte. Später sackte der Quartalsverkauf auf 30.000 Stück ab, so dass der Design-Rechner im Sommer 2001 schon wieder aus dem Programm genommen wurde.

Weiterlesen: Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)

30 Jahre Apple Macintosh

Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
Teil 9: Die Zukunft des Macs

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