In einem Promotion-Video von Apple erzählen die “Macher” des Macintosh (Burrell Smith, Andy Hertzfeld, George Crow, Bill Atkinson, Mike Murray), was den ersten Mac ausgezeichnet hat.
Im zweiten Teil des Videos treten Software-Hersteller auf, die damals die ersten Programme für den Mac angeboten haben. Zu den Testimonials gehört auch ein Auftritt von Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, der in dem Film den Mac in den höchsten Tönen lobt. Weiterhin kann man prominente Softwarepioniere wie Mitchell Kapor (Lotus) und schließlich Apple-Mitbegründer Steve Jobs sehen:
Mit dem Macintosh revolutionierte Apple im Jahr 1984 die gesamte Computer-Industrie. Steve Jobs und sein geniales Macintosh-Team sorgten mit ihrem Konzept dafür, dass Computer auch von dem normalen “Menschen auf der Straße” -- und nicht nur von Experten -- bedient werden konnte.
“Insanely great” -- “Wahnsinnig toll” -- Steve Jobs konnte seine Begeisterung zum Marktstart des ersten Macintosh kaum in Worte fassen. Auf der legendären Aktionärsversammlung am 24. Januar 1984 im Flint Center unweit des Apple Campus in Cupertino zitierte der Apple-Mitbegründer zunächst Bob Dylans “The Times They Are A-Changin’”, um dann gegen eine drohende Vorherrschaft der jungen Computerindustrie durch IBM zu polemisieren. “IBM will sich alles unter den Nagel reißen und richtet seine Gewehre gegen das letzte Hindernis, um die Computerbranche zu kontrollieren: Apple. Wird Big Blue die gesamte Computer-Industrie beherrschen? Das gesamte Informations-Zeitalter? Hatte George Orwell recht?” Die Menge, darunter das komplette Macintosh-Entwicklerteam, schrie zurück: “Nooooo!”
Steve Jobs
Bislang habe es in der Computer-Industrie nur zwei Meilenstein-Produkte gegeben: den Apple II im Jahr 1977 und der IBM PC in 1981, sagte Jobs weiter. “Heute (…) führen wir das dritte Meilenstein-Produkt ein, den Macintosh. Viele von uns haben über zwei Jahre lang am Macintosh gearbeitet und er ist wirklich wahnsinnig toll geworden.” Schaut man sich heute die Geschichte des Personals Computers an, lag Steve Jobs damals mit seinem historischen Vergleich richtig, wenngleich nicht IBM über die Jahre zum großen Beherrscher der Computer-Industrie wurde, sondern die Allianz aus Microsoft und Intel.
Die Vorstellung des ersten Macs am 24. Jan. 1984 aus den “Lost 1984 Videos”
Vor dem Entwicklungsteam des Macintosh hatten schon andere versucht, einen Computer mit einer Maus und einer grafischen Benutzeroberfläche zu bauen -- ein Jahr zuvor Apple selbst mit dem 10 000 Dollar teuren Businessrechner Lisa.
Werbespot für den Apple Lisa
Doch der Lisa-Computer erwies sich bald als riesiger Flop. Mit 10 000 Dollar (ohne Festplatte) war er viel zu teuer, die grafische Benutzeroberfläche verschlang die Power des Lisa, so dass der Rechner nicht besonders flott arbeitete. Es fehlten die notwendigen Programme, um die Geschäftswelt in Massen zum Kauf des Lisa zu bewegen. Außerdem hatte die neu aufgestellte Vertriebsmannschaft kaum Erfahrungen im Umgang mit Corporate America.
Im Gegensatz zu seinen elitären Vorgängern sollte der neue Macintosh nicht nur wenige Experten im kalifornischen Silicon Valley begeistern, sondern die Massen erobern -- und den Standard für zukünftige Computer-Generationen setzen. Computer-Kolumnist Bob Ryan erkannte damals sofort den revolutionären Kern des Macs. “Das ist eine Maschine, die die Massen der Menschen anspricht, die weder Zeit noch Lust dazu haben, den langen Lern-Prozess zu beginnen, der notwendig ist, um die Komplikationen der gegenwärtige Generation der Personal Computer beherrschen zu können.”
Mit dem neuartigen Macintosh glaubte Apple einen Weg gefunden zu haben, dem Computer-Giganten IBM wieder die Führerschaft im damals noch jungen Markt der Personal Computer abnehmen zu können.
IBM hatte seinen ersten PC im Jahr 1981 vorgestellt und innerhalb weniger Monate den Apple II als erfolgreichsten Personal Computer vom Thron gestoßen. Innerhalb drei Jahre verkaufte “Big Blue” über zwei Millionen IBM-PC. Daher richtete sich die 15 Millionen Dollar teure Werbekampagne von Apple zur Markteinführung des Macintosh direkt gegen IBM. Die gewaltige Werbeaktion war letztlich auch dafür verantwortlich, warum Apple den ursprünglich geplanten Startpreis des Mac um 500 Dollar auf 2495 Dollar erhöhte.
Lisa-Flop bringt Apple in Not
Der Misserfolg des Lisa brachte Apple 1983 in eine gefährliche Schieflage. Die bisherige Cash-Cow, der Apple II, bot inzwischen nicht mehr taufrische Technologie und sah sich einem scharfen Wettbewerb mit dem IBM PC ausgesetzt. Nun musste der Macintosh Apple Computer vor dem Untergang retten. Im ersten Businessplan war Apple im Sommer 1981 davon ausgegangen, dass zwischen 1982 und 1985 über 2,2 Millionen Macs verkauft werden können, also rund 47 000 Stück pro Monat. Doch nun kam der Mac erst Anfang 1984 auf den Markt. Und nachdem die Gemeinde der Computer-Nerds (zumindest diejenigen, die sich den ersten Mac leisten konnten) ihren Kaufrausch befriedigt hatte, sackte der Absatz des Macintosh dramatisch auf rund 5 000 Geräte pro Monat ab.
Apple Macintosh 128k (1984)
Apple musste damals seinen Kunden erst einmal erklären, wie ein Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche überhaupt bedient wird: Bei einer “Test Drive”-Aktion konnten sich Interessenten einen Macintosh nach fachkundiger Anleitung ausleihen. “Es war für die meisten Computerbenutzer etwas gänzlich neues, einen Zeiger mit der Maus zu bedienen, Menüleisten anklicken und Fenster hin und her schieben zu können. Die Nutzung war intuitiv, Tastaturkommandos musste sich niemand mehr merken, eine Kommandozeile existierte beim Macintosh nicht mehr”, schreibt Ben Schwan bei heise.de. Aber auch die “Test-Drive”-Aktion löste nicht die Absatzprobleme, zumal für diese Promo zu wenig Geräte zur Verfügung standen und etliche Interessenten die Macs in einem jämmerlichen Zustand zurückbrachten, so dass die Rechner erst wieder neu aufgesetzt werden oder repariert werden mussten.
Werbevideo für die “Test Drive”-Aktion
Am zunächst schleppenden Absatz konnte auch Apple-Chef John Sculley nicht viel ändern. Steve Jobs hatte Sculley von Pepsi mit dem Satz “Wollen Sie Ihr Leben lang Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern?” abgeworben, um das Management und Marketing bei Apple zu professionalisieren. Und zunächst arbeiteten Jobs und Sculley bei Apple trotz sehr unterschiedlicher Führungsmethoden harmonisch und wurden von der Öffentlichkeit als “Dynamic Duo” bei Apple gefeiert. Doch der schleppende Absatz des Macs ließ bald ernste Spannungen zwischen Jobs und Sculley aufkommen.
John Sculley im Film “Triumph of the Nerds” (PBS)
Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne tun wollen -- Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.
John Sculley
Dem Mac fehlten damals einfach die Anwendungen, die im IBM-Werbespot für den PC die Charlie-Chaplin-Figur Karton für Karton durchs Bild schleppte. Daher bemühten sich Guy Kawasaki und andere “Software Evangelists” von Apple die Entwickler in anderen Softwarefirmen davon zu überzeugen, Programme für den Mac zu schreiben. Das mit 128 Kilobyte viel zu enge bemessene Arbeitsspeicher (RAM) des Mac machte diese Aufgabe nicht einfach. Erst als ein Jahr nach dem ersten Macintosh der “Fat Mac” mit 512 Kilobyte raus kam, war der enge Flaschenhals beseitigt.
Das Problem spitzte sich zu, als Anfang 1985 sich in der Lagern die Macs türmten, die im Weihnachtsgeschäft 1984 keine Käufer gefunden hatten. Apple musste den ersten Quartalsverlust in der Unternehmensgeschichte veröffentlichen und ein Fünftel der Belegschaft entlassen. In einem Marathon-Meeting am 10. und 11. April 1985 verlangte Apple-CEO John Sculley, Steve Jobs den Posten eines Apple Vicepresident und General Managers der Macintosh-Abteilung zu entziehen. Jobs wehrte sich und wollte Sculley als CEO ablösen lassen. Doch das Board von Apple stützte des Ex-Pepsi-Mann. Am 17. September 1985 verließ Jobs die Firma, die selbst mitbegründet hatte. Details zu diesem Machtkampf stehen im Artikel Showdown bei Apple: John Sculley vs. Steve Jobs).
Erfolg im zweiten Anlauf
1987 verkaufte Apple eine Millionen Macs und spielte plötzlich wieder in der IBM-Klasse mit. Über die Hälfte der 2000 Dollar für einen Mac landeten als Gewinn bei Apple. Und Sculley und seine Kollegen im Apple-Vorstand glaubten, dass die User immer bereit seien, für bessere Technik auch viel mehr Geld zu zahlen. In diesen Jahren hat Apple die gigantische Chance versäumt, den Mac als allgemeinen Industriestandard zu etablieren. Man hätte damals nur entweder die Preise dramatisch senken müssen oder ein breites Lizensierungsprogramm mit anderen Hardware-Herstellern eingehen müssen. Mit der Vorstellung von Windows 3.0 im Jahr 1990 schloss sich dieses “Fenster der Möglichkeiten”.
Als Steve Jobs Anfang 1997 in schwierigen Zeiten für Apple zunächst als Berater, dann als Chef zu seinem alten Unternehmen zurückkehrte, war der Wettstreit zwischen Apple Computer und Microsoft um den Industriestandard längst entschieden. Ihm gelang es dann mit neuen Apple-Talenten wie Jonathan Ive nicht nur, die Firma wieder auf die Erfolgskurs zu setzen, sondern auch Zeichen in der Branche zu setzen.
Mit dem iMac verblüffte Jobs auch gestandene Pioniere der Computerbranche: “Manchmal hat das, was Apple tut, einen elektrifizierenden Effekt auf uns alle”, meinte Intel-Mitbegründer Andy Grove. “Den iMac hätten wir niemals schaffen können, aber Apple ist einfach nach vorne gegangen und hat es getan.”
Steve Jobs über die Kern-Werte von Apple (vermutlich 1998)
Die legendäre Werbe-Kampagne “Think different”
siehe auch:
Die Geschichte von Apple Computer von 1976 -- 2008
1976
Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne gründen mit Hilfe des Wagniskapitalgebers Armas Clifford “Mike” Markkula Apple Computer um den Apple I zu vermarkten. Wayne steigt nach wenigen Monaten wieder aus.
Apple I (1976)
1977
Das junge Unternehmen bringt den Apple II auf den Markt. Dieser Rechner entwickelt sich zum ersten Microcomputer, der eine weite Verbreitung fand.
Apple II (1977)
1978
Steve Jobs erste Apple schlägt die Entwicklung eines Next-Generation-Computers vor.
1979
Jef Raskin (vorne) und Steve Jobs
Ein Forschungsprojekt für einen neuen Niedrigpreis-Computer wird unter der Leitung von Jef Raskin gestartet. Daraus sollte später das Macintosh-Projekt werden. Raskin verlässt Apple im Jahr 1982, noch bevor der Mac auf den Markt kam, weil er die Einmischungen von Steve Jobs nicht akzeptieren wollte
Steve Jobs und seine Mitarbeiter bei Apple besuchen das legendäre Forschungsinstitut Xerox PARC, wo sie sind mehrere neuartige Technologien sehen. Dazu gehören der Xerox Alto, der erste Personal Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche, die Computer-Maus sowie die objekt-orientierte Programmierung.
1980
Apple geht an die Börse.
Die Spezifikationen für den Apple Lisa werden erarbeitet. Darin befinden sich etliche Features, die Apple-Mitarbeiter im PARC gesehen haben. Weiterlesen »
Am 6. Januar werden tausende von Fans, Partner und Kunden von Apple sowie hunderte von Journalisten wieder Schlange stehen, um sich die Keynote zur Eröffnung der Macworld Expo im Moscone Center in San Francisco anschauen zu können. Warum eigentlich? Apple-CEO Steve Jobs wird bekanntlich nicht erscheinen und hat Marketingchef Phil Schiller für den letzten Auftritt von Apple auf einer Macworld abgeordnet. Und die meisten Besucher werden sich fragen, ob mit der Absage von Steve Jobs und Apple die Macworld Expo das Schicksal einer Comdex erleiden wird, die die New-Economy-Bubble nicht überlebt hatte. Aber dennoch wird keiner die letzte Apple-Keynote auf einer Macworld verpassen wollen.
Ich werde in San Francisco sein und von der Macworld (und danach noch von der CES in Las Vegas) für dpa berichten.
An dieser Stelle möchte ich an die meiner Ansicht nach wichtigsten öffentlichen Auftritte von Steve Jobs erinnern, die häufig im Rahmen von Macworld-Keynotes abliefen:
Warnung vor “Big Brother” IBM und Preview des Macintosh-Werbespots (Herbst 1983)
Im Herbst 1983 führte Steve Jobs vor Mitarbeitern von Apple den berühmten “1984″-Werbespot für den ersten Apple Macintosh vor und stimmte sein Team auf bevorstehenden Launch des Macs ein. Das große Feindbild war damals nicht Microsoft, sondern IBM.
Präsentation des Apple Macintosh (24. Januar 1984)
Bühne der wohl bedeutendsten Produkt-EInführung von Apple war nicht eine Messe wie die Macworld Expo, sondern die Aktionärsversammlung der Apple Computer Inc. am 24. Januar 1984. Jobs rezitierte Bob Dylan und ließ sich von dem ersten Mac als sein “geistiger Vater” feiern.
Demo NeXTSTEP Release 3 (1992)
1985 verließ Steve Jobs im Streit mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley, die Firma, die er mitbegründet hatte. Aus seinem Aktienvermögen finanzierte er dann seinen Einstieg ins Animationsfilm-Geschäft (Pixar) und baute eine neue Computerfirma (NeXT) auf. NeXT blieb der große kommerzielle Durchbruch versagt, aber das Betriebbsystem NeXTSTEP (hier eine Video-Demo aus dem Jahr 1992) war bahnbrechend. Etliche dieser Innovationen landeten später zusammen mit Steve Jobs wieder bei Apple und wurden Bestandteil von Mac OS X. Weiterlesen »
Mit dem Börsengang von Apple Computer im Dezember 1980 wurde Steve Jobs zum Multimillionär – doch er besaß nicht genügend Aktien, um Apple Computer insgesamt und damit auch seine eigene Aufgabe innerhalb von Apple bestimmen zu können. Anfang 1981 stand er zumindest ohne Verantwortung für ein bestimmtes Projekt da. Zum Leidwesen von Jef Raskin stürzte sich Jobs auf das Macintosh-Projekt, das zu diesem Zeitpunkt im Apple-Verwaltungssrat (Board) noch nicht so richtig ernst genommen wurde.
Doch Steve Jobs wusste, was er wollte: Er hatte bei Xerox PARC die grafische Benutzeroberfläche des Xerox Alto gesehen. Statt grüner Buchstaben auf dunklem Hintergrund sah man weiße Dokumenten-Fenster mit schwarzer Schrift – wie bei einem Blatt Papier. Verschiedene Schriftarten konnten ausgewählt werden. Die Grafikkarte steuerte auf dem Bildschirm frei einzelne Pixel an. Mit Hilfe einer Maus konnte ein Zeiger auf dem Bildschirm bewegt werden, um Texte zu markieren oder Befehle auszuführen. Dateien wurden durch Symbole auf einem virtuellen Schreibtisch repräsentiert.
Den Alto konnte man nicht kaufen. Allein der Hauptspeicher dieses Experimental-Computers hätte zu diesem Zeitpunk rund 7000 Dollar gekostet. Jobs wollte einen Computer noch besser als der Alto – und auch besser als Apples Lisa. Die neue Wundermaschine sollte aber nur einen Bruchteil von Lisa kosten, für den man inklusive externer Festplatte rund 12 000 Dollar zahlen musste. Weiterlesen »
Immer wieder wird gesagt, Apple habe sich bei der Entwicklung des Macintosh nur der Ideen bedient, die zuvor im Forschungslabor Xerox PARC ausgebrütet worden waren. Legende oder Wahrheit?
In den USA steht der Name “Xerox” für das Fotokopieren, so wie in unseren Breiten “Tempo” für ein Papiertaschentuch oder “Tesa” für einen Klebefilm. Schließlich hatte die Xerox Corp. bereits 1950 als erstes Unternehmen der Welt die von dem amerikanischen Physiker und Juristen Chester F. Carlson erfundene “Xerographie” in ein funktionierendes Produkt umgesetzt. Carlson erhielt bereits 1937 das Patent auf ein Verfahren, das er “Elektrophotographie” nannte. Am 22. Oktober 1938 folgte die Premiere in der Praxis: Mit Hilfe einer mit Schwefel beschichtete Metallplatte und einer Lampe übertrug Chester den Schriftzug “10.-22.-38 Astoria” auf ein Wachspapier.
Ende der 60er Jahren sah das Xerox-Management die Gefahr, dass japanische Firmen den technologischen Vorsprung von Xerox einholen könnten. Außerdem befürchtete die Xerox-Spitze, dass mit den kommenden Computer-Generationen das “papierlose Büro” entstehen könne, in dem Xerox keinen Platz mehr hat. Vor diesem Hintergrund wurde 1971 das Xerox Palo Alto Research Center (PARC) in Kalifornien gegründet.
Alan Kay kam 1970 zu dem Xerox-Forschungsteam. “Was wird ihre wichtigste Errungenschaft hier sein?”, wird er während des Einstellungsgesprächs gefragt. Seine Antwort: “Der Personal Computer.” “Was ist das?”, lautet die Gegenfrage. Kay klapp sein Notizbuch auf und skizziert seine Vision: “Ein Rechner dieser Größe, mit einem Bildschirm, einer Tastatur und genug Power, um ihre Post zu speichern und ihre Musik, Bilder und Bücher.” Kay stieß mit diesem Zukunftsentwurf bei Xerox zwar auf Unverständnis, konnte aber dennoch im Palo Alto Research Center (Parc) daran arbeiten.
Xerox hatte das Parc im Juli 1971 zwar gegründet, um gerüstet zu sein für die digitale Zukunft. Die Xerox-Bosse an der Ostküste fürchteten sich vor der Zeit, in der Büroangestellte an Monitoren arbeiten würden und nicht mehr nur auf Papier. Zudem befürchtet die Kopiererfirma zu dieser Zeit bereits, gegenüber den Japanern technologisch ins Hintertreffen zu geraten. Das Parc soll eine firmeneigene Denkfabrik werden, gefüllt mit den besten Technikern und Forschern.
John Warnock, ehemaliger Forscher bei Xerox PARC und später einer der beiden Gründer von Adobe Systems, erinnert sich: “Die Atmosphäre hier war wie elektrisiert, es herrschte totale intellektuelle Freiheit. Es gab keinen ‘gesunden Menschenverstand’, fast jede Idee wurde als Herausforderung angesehen und wurde regelmäßig hinterfragt.” Auch Larry Tessler, der später bei Apple den Macintosh und den Newton PDA mit entwickelte, genoss in den 70er Jahren die Freiheiten im PARC: “Das Management sagte: Geht los und erschafft die neue Welt, wir verstehen sie nicht. Hier waren Leute mit vielen Ideen und einem enormen Talent versammelt, jung und energiegeladen.” Das Problem war nur, dass sich später die Unternehmensführung an der Ostküste der USA keinen Deut für die Forschungsergebnisse aus dem PARC interessierte, wenn sie nicht im engeren Sinne mit Fotokopierern zu tun hatten. Weiterlesen »
Mit dem Macintosh wollte das Apple-Management die absolute Vorherrschaft von IBM verhindern. Dabei unterschätzten alle Bill Gates und Microsoft.
Die Marketingstrategie von Apple-Chef John Sculley zur Markteinführung des Macintosh war klar. Der ehemalige Pepsi-Manager, den Steve Jobs zu Apple geholt hatte, wollte einen Zweikampf zwischen IBM und Apple inszenieren, Schwarz vs. Weiß, mit Apple in der Rolle des Underdog. “Dutzende andere Computerfirmen stellten (in dieser Zeit) ihre Produkte vor, und ich befürchtete, dass wir in der Menge untergehen könnten”, schrieb Sculley später in seinem Buch “Odyssey”. “Wenn es uns gelingen würde, ein Zwei-Pferde-Rennen zwischen uns und IBM herzustellen, dann könnten wir die Leute überzeugen, dass wirklich nur zwei Computerfirmen im Markt im Wettbewerb stehen.”
Im Kampf gegen kleinere Konkurrenten wie Atari, Commodore, Sinclair und Amstrad ging die Apple-Strategie auch voll auf. Völlig unterschätzt hatten Sculley, aber auch Steve Jobs, dass Microsoft, ein Verbündeter der ersten Stunde, sich mit Hilfe von Apple zur dominierenden Kraft der PC-Industrie entwickeln und sogar IBM in den Schatten stellen würde.
Bill Gates und Paul Allen hatten Microsoft 1975 als kleine Softwarefirma in Albuquerque (New Mexico) gegründet und zusammen mit anderen Mitarbeitern die Programmiersprache BASIC für den legendären Rechner MITS Altair entwickelt. Durch glückliche Umstände ergatterte Microsoft 1980 den Auftrag von IBM, für den ersten IBM-PC nicht nur BASIC, sondern auch das Betriebssystem zu liefern. Der damals führende Betriebssystemhersteller Digital Research (CP/M) wollte sich in der Verhandlungsphase nicht auf seitenlange Knebelverträge von IBM einlassen – und verlor so diesen gigantischen Deal. Weiterlesen »