Vor 40 Jahren, am 24. Januar 1984, kam der erste Macintosh-Computer auf den Markt. Macs waren das Hauptgeschäft von Apple Computer, bis Jahre später der iPod und vor allem das iPhone den Lauf der Dinge veränderte – und Apple dann irgendwann auch das Wort Computer aus dem Firmennamen strich. Obwohl der Macintosh nie zum Quasi-Insdustrie-Standard wurde, hat er den Lauf der Geschichte des Personal Computings verändert und eine Produktlinie begründet, die Apple bis heute weiterentwickelt. Aber welche Macs haben die Geschichte am meisten verändert?
40 Jahre Apple Macintosh – Wie der Mac die Welt veränderte
Es ist das Super-Bowl-Finale am 22. Januar 1984, knapp hundert Millionen Menschen schauen zu. Das Spiel selbst verläuft weniger spannend – bereits zur Halbzeit liegen die Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins mit 21:3 in Führung. Für Furore sorgt viel mehr ein außergewöhnlicher Werbespot, der im dritten Viertel ausgestrahlt wird. In dem 60 Sekunden langen Clip von Star-Regisseur Ridley Scott kündigt Apple den ersten Macintosh an. Doch es geht nicht einfach nur um einen neuen Computer. Die Botschaft lautet: Der Mac wird die Welt davor bewahren, dass die düstere Vision aus George Orwells Roman „1984“ im namensgebenden Jahr Wirklichkeit wird: „Big Brother“ IBM wird mit seinen grauen PCs nicht die IT-Welt beherrschen.
Obwohl Apple selbst ihn nur ein einziges Mal ausstrahlte, schrieb der Clip Geschichte. Nachrichtensendungen wiederholten ihn mehrfach, um über den Publicity-Coup zu berichten. Die Zeitschriften Advertising Age und TV Guide kürten „1984“ später zum besten Werbespot aller Zeiten.
Die Premiere des Apple Macintosh sollte zwei Tage später, am 24. Januar 1984, bei der jährlichen Aktionärsversammlung von Apple im Flint Center Auditorium des De Anza Community College stattfinden. Nach dem Werbespot und den zahlreichen Presseberichten sollte dies den Höhepunkt der Einführungskampagne darstellen. Steve Jobs plante, zukünftige Produkteinführungen als epochale Momente inszenieren zu lassen: eine feierliche Enthüllung vor einem großen Publikum, bestehend aus loyalen Bewunderern und aufgeheizten Journalisten.
Andy Hertzfeld, ein freundlicher Software-Ingenieur aus dem Macintosh-Team, hatte es zuvor in nur zwei Tagen geschafft, eine Software zu entwickeln, mit der der Computer den Spruch „Die Stunde des Siegers“ abspielen konnte. Jobs war mit dem Ergebnis jedoch nicht zufrieden und entschied sich stattdessen für eine Aufnahme, berichtet der Steve-Jobs-Biograf Walter Isaacson.
Jobs war jedoch begeistert von dem Sprachgenerator des ersten Apple Macintosh. Damit konnte geschriebener Text in gesprochene Sprache mit einem charmanten elektronischen Akzent umgewandelt werden. Er beschloss, ihn für die Demo zu verwenden. Steve Hayden, der Texter des „1984“-Spots, wurde beauftragt, den Text zu schreiben. Mac-Entwickler Steve Capps entwickelte eine Möglichkeit, das Wort „Macintosh“ in riesiger Schriftgröße über den Bildschirm laufen zu lassen, und Susan Kare, die die Schriften und Icons des Mac-Betriebssystems gestaltet hatte, entwarf ein Begrüßungsbild.
Die Premiere des Apple Macintosh am 24. Januar 1984
Bei der Probe am Vorabend des großen Tages gab es jedoch einige Probleme. Jobs war mit der Bildschirmanimation nicht zufrieden und verlangte ständig Verbesserungen. Auch das Bühnenlicht gefiel ihm nicht, und er hetzte Apple-CEO John Sculley kreuz und quer durch den Saal, damit er den Effekt aus verschiedenen Perspektiven betrachten und seine Meinung dazu abgeben konnte. Sculley, der zuvor bei PepsiCo gearbeitet hatte und sich nie Gedanken über Bühnenlicht gemacht hatte, äußerte sich unsicher wie ein Patient beim Augenarzt, der entscheiden soll, welche Linse besser ist. Die Probe dauerte fünf Stunden bis tief in die Nacht. „Irgendwann hatte ich Zweifel, ob wir es bis zur Veranstaltung am nächsten Morgen schaffen würden“, sagte Sculley.
Doch dann war es soweit: Das Flint Center in Cupertino war bis auf den letzten seiner 2600 Plätze besetzt. Steve Jobs trat ans Mikrofon, um als Chairman die Aktionärsversammlung offiziell zu eröffnen. Er begann mit einem 20 Jahre alten Gedicht von Bob Dylan: „The Times They Are A-Changin'“.
Come writers and critics
Who prophesize with your pen
And keep your eyes wide
The chance won’t come again
And don’t speak too soon
For the wheel’s still in spin
And there’s no tellin‘ who
That it’s namin‘
For the loser now
Will be later to win
For the times they are a-changin‘
Kommt, Autoren und Kritiker
die ihr mit euren Stiften prophezeit
und behaltet eure Augen weit offen
Die Gelegenheit wird sich nicht noch einmal bieten
Und sprecht nicht zu früh,
denn das Glücksrad dreht sich noch
Und man kann nicht vorhersagen,
auf welchen Namen es zeigen wird
Denn wer jetzt der Verlierer ist,
der wird später gewinnen
Lieblingsfeind IBM
Mit diesem Vortrag des Dylan-Songs wollte der damals 28 Jahre alte Studienabbrecher Steve Jobs nicht nur der US-Protestbewegung huldigen, sondern auch deutlich machen, dass der Kampf um die Vorherrschaft im Markt der Personal Computer aus seiner Sicht noch nicht entschieden war. Zusammen mit seinem Kumpel Steve Wozniak hatte Jobs bereits Jahre zuvor IBM das Fürchten gelehrt. Während die Anzug-Träger bei IBM der Meinung waren, dass Computer so teuer wie ein Luxusauto sein müssen, zeigten die beiden ab 1975 mit dem Apple I, dass im Prinzip jeder Mensch einen Computer besitzen und benutzen kann. Der erste Rechner Apple hatte mit knapp 200 verkauften Bausätzen noch die Dimensionen eines Hobby-Projektes. Der Nachfolger Apple II war dagegen schon ein großer Erfolg.
Wozniak hatte eine Maschine entwickelt, mit der die Mitbewerber nicht mithalten konnten: Der Apple II bot mit acht Slots reichlich Platz für Erweiterungen und konnte hochauflösende Grafik darstellen. Aus der kleinen Firma in der Garage der Eltern von Steve Jobs entwickelte sich ein erfolgreiches Unternehmen. Die Verkaufszahlen stiegen rapide: von 2500 Stück im Jahr 1977 auf 210.000 im Jahr 1981. Doch Jobs war unruhig. Der Apple II konnte nicht ewig so erfolgreich bleiben, und er wusste nur allzu gut, dass das Gerät immer als Wozniaks Meisterstück angesehen werden würde, egal, wie viel er selbst für das Produktdesign getan hatte. Er brauchte sein eigenes Gerät, das eine Delle in das Universum schlagen würde. Und die Zeit drängte, denn plötzlich war IBM wieder im Spiel. Aufgerüttelt durch den Erfolg des Apple II hatte „Big Blue“ 1981 den ersten IBM PC auf den Markt gebracht. Schnell übertrafen die IBM-Verkaufszahlen die des Apple II.
Der erste Versuch, einen erfolgreichen Nachfolger für den Apple II auf den Markt zu bringen, geriet 1980 zum teuren Flop. Der Apple III konnte die Käufer nicht überzeugen, da er zu teuer war und nicht mit dem populären Vorgänger Apple II kompatibel war. Doch das Unternehmen hatte noch zwei weitere Asse im Ärmel: das Projekt Lisa und das Projekt Macintosh. Die Entwicklung des Lisa begann bereits 1978. Lisa sollte rund 2000 Dollar kosten und mit einem 16-Bit-Prozessor ausgestattet sein. Mit diesen verbesserten Eigenschaften wollte Apple einen großen Schritt nach vorne machen und sich von dem blinkenden Cursor auf schwarzen Bildschirmen verabschieden. Lisa sollte eine Benutzeroberfläche mit Fenstern haben, mit Menüs und schöner Schrift.
Die Ideen aus dem Xerox PARC
Um von den Pionieren der grafischen Benutzeroberflächenentwicklung zu lernen, mussten Steve Jobs und seine Mitarbeiter nur 20 Minuten mit dem Auto zum legendären Forschungszentrum Xerox Palo Alto Research Center (PARC) fahren. Der Apple-Ingenieur Jef Raskin, der Anfang 1979 mit dem Macintosh-Projekt betraut wurde, stand regelmäßig in Kontakt mit den PARC-Forschern. Mit der Hilfe von Bill Atkinson konnte schließlich auch Steve Jobs dazu überredet werden, das PARC zu besuchen.
Die drei Technologien, die Jobs dort sah, waren revolutionär. Noch 17 Jahre später erinnerte sich Jobs genau daran: „Ich war total geblendet von dem ersten Ding, das sie mir zeigten: Die grafische Benutzeroberfläche. Ich dachte, das ist das beste Ding, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Es hatte noch viele Schwächen. Was wir sahen, war unvollständig. Sie hatten eine ganze Reihe Sachen falsch gemacht. Aber zu der Zeit wussten wir das nicht. Aber dennoch: Sie hatten den Keim der Idee geschaffen, und sie hatten es sehr gut gemacht. Und innerhalb von zehn Minuten war mir klar, dass eines Tages alle Computer so arbeiten würden.“
Jobs beschloss danach, die Strategie von Apple zu überdenken und sich vollständig auf das „Graphical User Interface“ (GUI), die grafische Benutzeroberfläche, zu konzentrieren, die er im PARC gesehen hatte. Larry Tesler, der damals als PARC-Angestellter an der Demo teilnahm, war von den Besuchern fasziniert: „Nach einer Stunde verstanden sie die Technologie unserer Demos und was sie bedeuteten besser als jeder Xerox-Manager nach all den Jahren, in denen wir sie ihnen gezeigt hatten.“ Tesler wechselte dann 1980 zu Apple.
Um die Besuche im Xerox PARC im Dezember 1979 rankt sich die Legende, Jobs habe die wichtigsten Ideen für das GUI beim Xerox PARC einfach nur geklaut. Mit diesem Argument hatte sich Microsoft-Chef Bill Gates stets gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, das Konzept von Microsoft Windows sei von Apple gestohlen worden. Nach den Erinnerungen von Mac-Entwickler Andy Hertzfeld lautete die Antwort von Gates auf den Vorwurf des Diebstahls so: „Nun, Steve, ich glaube, es gibt mehr als eine Möglichkeit, das zu sehen. Ich glaube, es ist eher so, dass wir beide diesen reichen Nachbarn namens Xerox hatten und ich in sein Haus eingebrochen bin, um den Fernseher zu stehlen nur um herauszufinden, dass du ihn bereits geklaut hattest.“
Jobs erkannte auf jeden Fall das Potenzial der Entwicklungen aus dem PARC sofort. Er wollte die Technik unbedingt bei der Entwicklung des Apple Lisa einbringen. Doch der Apple-Verwaltungsrat traute ihm nicht zu, das Lisa-Projekt zum Erfolg zu führen. Daher schnappte sich der wilde Firmenmitbegründer das Macintosh-Projekt von Jef Raskin, das als Nachfolger für den Apple II als „Volks-Computer“ in Arbeit war. Raskin hatte geplant, den Macintosh mit einem möglichst preiswerten Prozessor, dem Motorola 6809, und einem extrem eng bemessenen Hauptspeicher von 64 Kilobyte auszustatten, um ihn nicht teurer als 1000 Dollar werden zu lassen. Doch um die Ideen von Xerox zu veredeln und zum Laufen zu bringen, reichte diese Hardware nicht aus.
Andy Hertzfeld, der den Systemkern des Mac (und später das Benutzer-Interface von Google+) entwickelt hat, und seine Kollegen mussten in diesen Monaten immer wieder unter den Wutattacken von Jobs leiden.

Das Team wurde aber auch positiv angespornt: „Steve war sehr verärgert, dass der Mac zunächst so lange zum Booten brauchte“, berichtete Hertzfeld Jahre später. So versuchte er den Software-Entwickler Larry Kenyon zu motivieren. Er erzählte ihm:
„Weißt du, ich habe darüber nachgedacht. Wie viele Leute werden den Macintosh benutzen? Eine Million? Nein, mehr als das. Ich wette, in ein paar Jahren werden fünf Millionen Menschen mindestens einmal täglich ihre Macintosh-Rechner hochfahren. Nun, sagen wir, du kannst die Bootzeit um 10 Sekunden verkürzen. Multipliziert man das mit fünf Millionen Benutzern und das sind 50 Millionen Sekunden, jeden Tag. Über ein Jahr hinweg sind das wahrscheinlich Dutzende von Leben. Wenn Du den Mac also zehn Sekunden schneller starten lassen kannst, hast Du ein Dutzend Leben gerettet. Das ist es wirklich wert, findest du nicht auch?“
Kenyon machte sich noch einmal an die Arbeit und verkürzte den Bootvorgang um weitere drei Sekunden. So löste das „Macintosh-Team“ ein Problem nach dem anderen.
Apple bot den ersten Macintosh 1984 zum Preis von 2495 US-Dollar an – inflationsbereinigt entspricht das heute (Januar 2024) mehr als 7500 US-Dollar. Der Mac war der erste Rechner mit einer grafischen Desktop-Oberfläche, den sich auch Privatanwender leisten konnten. Statt des schwachen 6809 haben die Entwickler den Motorola 68000 verbaut, der mit 8 MHz getaktet war und auf 128 Kilobyte Arbeitsspeicher zugreifen konnte. Der Prozessor trug seinen Namen, weil er aus 68 000 Transistoren bestand. Zum Vergleich: Apples A16-Chip, der im iPhone 15 steckt, besteht aus 16 Milliarden Transistoren.
Ein 3,5-Zoll-Floppylaufwerk von Sony mit 400 Kilobyte Speicherplatz und ein kleiner 9-Zoll-Bildschirm vervollständigten den Macintosh. Wie der Vorgänger Lisa war auch er mit einer grafischen Bedienoberfläche und einer Maus ausgestattet, sodass die Anwender sich nicht mit Kommandozeileneingaben herumquälen mussten. „Für die User war die Bedienung des Macintosh revolutionär: Mit einer Maus den Cursor/Zeiger bedienen, Menüfenster verschieben und Menüleisten anklicken. Ein Computer, der intuitiv bedienbar war, das gab es bisher noch nicht. Plug and Play: Einschalten und loslegen war die Devise“, sagt Michael Mikolajczak, Kurator im Heinz Nixdorf MuseumsForum und Experte für die Geschichte der Personal Computer..
Steve Jobs und Apple-CEO John Sculley haben lange über den Verkaufspreis des ersten Apple Macintosh gestritten. Marketing-Mann Sculley wollte die Markteinführung durch eine große Marketing-Kampagne begleiten. Und diese Kosten sollten seiner Ansicht nach auf den Verkaufspreis umgeschlagen werden, wodurch sich der erste Mac um 500 Dollar verteuerte.
Jobs leistete wütenden Widerstand. „Das zerstört alles, wofür wir stehen«, sagte er. »Ich will hier eine Revolution machen, nicht Profit um jeden Preis!“ Sculley stellte ihn vor die Wahl – entweder ein Verkaufspreis von 1995 Dollar oder die große Werbekampagne, aber nicht beides. „Es wird euch nicht gefallen«, erzählte er Hertzfeld und den anderen Ingenieuren, „aber Sculley besteht darauf, dass wir für den Mac 2495 Dollar nehmen anstatt 1995«. Die Ingenieure waren entsetzt. Andy Hertzfeld erklärte, sie hätten den Mac für Leute wie ihresgleichen entwickelt und ihn derart zu verteuern, sei ein „Verrat“ an ihren Grundsätzen. Also versprach ihnen Jobs: „Keine Sorge, er kommt damit nicht durch, dafür sorge ich!“ Aber am Ende siegte Sculley doch. Der Mac kostete mehr als Jobs es wollte.
Der Apple Macintosh stieß bei vielen Enthusiasten auf Begeisterung, als er endlich erhältlich war. Doch nach der anfänglichen Euphorie sanken die Verkaufszahlen drastisch in der zweiten Jahreshälfte 1984. Isaacson, der Biograf von Steve Jobs, erklärt, dass dahinter ein ernsthaftes Problem steckte. Der Macintosh war zwar ein beeindruckendes Gerät, aber gleichzeitig langsam und leistungsschwach. Selbst die ansprechende Benutzeroberfläche konnte darüber nicht hinwegtäuschen. Sie wirkte wie ein fröhliches Spielzimmer im Gegensatz zu den tristen, dunklen Bildschirmen mit giftgrünen blinkenden Zeichen und nüchternen Befehlszeilen.
Die grafische Bedienoberfläche war jedoch das größte Manko des ersten Macs. Ein einzelnes Zeichen in einem textbasierten System benötigte weniger als ein Byte im Code, während der Macintosh 20- bis 30-mal mehr Speicherplatz benötigte, um einen Buchstaben pixelgenau in verschiedenen eleganten Schriftarten darzustellen. Beim Apple Lisa spielte dies keine große Rolle, da er mit über 1000 KByte RAM ausgestattet war. Der Macintosh hingegen musste mit nur 128 KByte auskommen.
Ein weiteres Problem war das Fehlen einer internen Festplatte. Als Joanna Hoffman aus dem Mac-Team sich für dieses Speichermedium einsetzte, bezeichnete Jobs sie als „Xerox-Fanatikerin“. Stattdessen verfügte der Macintosh nur über ein Diskettenlaufwerk. Das ständige Wechseln der Disketten führte zu einer Art Tennisarm, wenn man Daten kopieren wollte. Zudem hatte der Macintosh keinen Ventilator, da Steve Jobs dies nicht wollte. Er fand, dass Lüfter die Stille eines Computers stören. Dies führte jedoch häufig zu Ausfällen von Bauteilen und verlieh dem Macintosh den Spitznamen „der beige Toaster“.
Dazu kam die Herausforderung, dass für den Mac noch kein breites Software-Angebot verfügbar war. In einem TV-Interview erinnerte sich der damalige Apple-Chef John Sculley später: „Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.“
„Der Mac konnte einfach nicht viel“
Der mit 128 Kilobyte viel zu eng bemessene Hauptspeicher machte diese Aufgabe aber nicht einfach. Erst als ein Jahr später der „Fat Mac“ mit 512 Kilobyte DRAM auf den Markt kam, war der Flaschenhals beseitigt. Er war der erste Macintosh, mit dem man vernünftig arbeiten konnte.
Steve Jobs sah andere Ursachen für den schleppenden Absatz. In einem Interview sagte er: „Ende 1984 geriet die Branche in eine Rezession. Die Verkäufe begannen ernsthaft zu schrumpfen. Und John (Sculley) wusste nicht, was er tun sollte. Er hatte keinen blassen Schimmer.“ An der Spitze von Apple habe es ein Führungsvakuum gegeben. Dadurch hätten sich die Abstimmungsprobleme zwischen den verschiedenen Abteilungen verschärft. „Es gab keine Führung“.
Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hat sich im dem Streit zwischen Jobs und Sculley später auf die Seite des ehemaligen PepsiCo-Managers geschlagen. „Als Steve den Macintosh vorstellte, war er noch jung, wollte zu schnell vorankommen und war nicht in der Lage, ein wirklich gutes, erfolgreiches Produkt zu entwickeln“, sagte „Woz“ in einem Interview mit dem Silicon-Valley-Portal „The Verge“ im Juli 2013. „Der Macintosh hätte ein ganz anderes Produkt sein sollen, kein mausgesteuerter GUI-Rechner, wie er es war, und mit dem Lisa hätte er einfach fünf Jahre warten sollen, dann wäre er fertig gewesen.“
HNF-Experte Michael Mikolajczak sieht vor allem im Preis den Grund dafür, sich in dieser Phase IBM-kompatible PCs gegen den Mac durchgesetzt haben: „Diese Rechner waren wesentlich günstiger als Apple-Produkte. Außerdem war IBM ein Weltunternehmen und dementsprechend wurden die Produkte als seriös betrachtet. Als IBM 1981 ihren ersten PC präsentierten, übernahmen sie direkt die Marktmacht und drängten die «Hippiefirma» Apple zurück. Viele Unternehmen folgten dem technischen Design des IBM-Rechners. Diese setzten sich nach und nach als Standard durch. Die «Bürowelt» war äußerst zufrieden mit IBM- oder IBM kompatiblen Computern und ihren Programmen wie Word und Word Perfect.“
Der Mac ohne Steve Jobs
Steve Jobs, der im Sommer 1985 im Streit um die Ursachen der Absatzkrise von Sculley und dem Apple-Vorstand aus dem Unternehmen gedrängt worden war, musste die ersten kleinen Erfolge des Macintosh am Markt von außen beobachten, obwohl er selbst die Schritte zum Überleben des Macs noch eingeleitet hatte. Der Apple-Mitbegründer hatte dafür gesorgt, dass sein Unterhemen 1985 in das damals noch wenig bekannte Startup Adobe investierte. „Die Leute dort wollten eigentlich ein Hardware-Unternehmen werden“, sagte Jobs elf Jahre später in einem Interview. „Sie wollten Drucker und das ganze Zeug herstellen.“ Er habe aber Adobe-Gründer John Warnock überreden können, ein Softwareunternehmen zu werden. „Innerhalb von zwei oder drei Wochen haben wir dann unser internes Projekt abgebrochen“, erinnerte sich Jobs. „Ein paar Leute wollten mich deswegen umbringen, aber wir haben es geschafft.“
Aus der Kooperation entstand der erste LaserWriter. Der Laserdrucker-Controller wurde bei Apple entwickelt, die Postscript-Software kam von Adobe, die eigentliche Drucker-Einheit von Canon. „Niemand bei Apple wollte ihn haben, außer ein paar von uns in der Mac-Gruppe“, sagte Jobs. „Alle dachten, ein Drucker für 7000 Dollar sei verrückt. Was sie nicht verstanden, war, dass man ihn mit dem Netzwerk AppleTalk gemeinsam nutzen konnte.“
Als Steve Jobs Apple verließ, war das Unternehmen der umsatzstärkste Druckerhersteller der Welt. Die Ära des Desktop-Publishings begann. Softwarefirmen wie Aldus schrieben erste Programme wie PageMaker für die Erfolgskombination Macintosh und LaserWriter. Dieser Trend verstärkte sich, als Anfang 1986 der Macintosh Plus mit 128 Kilobyte ROM auf den Markt kam. Die Speicherchips waren nun nicht mehr fest auf der Platine verlötet, sondern gesockelt. So konnte man das Gerät auf bis zu vier Megabyte RAM aufrüsten.

Der Mac Plus hatte sogar Cursor-Tasten, die Steve Jobs beim ersten Mac noch entschieden abgelehnt hatte. Er wollte die Anwender zwingen, die Maus als Eingabeinstrument zu akzeptieren.
Teures Performance-Wunder Macintosh II
Mit dem Macintosh II brachte Apple 1987 den ersten Mac auf den Markt, der modular aufgebaut war. Für 5200 Dollar erhielten die Kunden ein System mit einer 20 Megabyte großen Festplatte, sechs NuBus-Slots und SCSI. Mithilfe der von Texas Instruments entwickelten NuBus-Technik ließ sich der Mac II intern und über SCSI auch extern erweitern. An einen Port konnten die Besitzer bis zu sieben externe SCSI-Geräte – etwa eine Festplatte oder ein CD-ROM-Laufwerk – anschließen. Angetrieben wurde der Mac II von einem 68020-Prozessor, der mit 16 MHz getaktet war. Grafiker und DTP-Spezialisten jubelten über den Performance-Gewinn. Ein komplett ausgebautes System mit Farbgrafikkarte, Speichererweiterungen und sonstigem Zubehör verschlang bis zu 10 000 Dollar.
Parallel zum großen Mac II veröffentlichte Apple im März 1987 den Macintosh SE, den ersten kompakten Mac mit einer eingebauten Festplatte (20 Megabyte). Der vorhandene Erweiterungsslot ließ sich nicht von den Anwendern, sondern nur von Servicetechnikern bestücken, weil man sich an der Bildschirmröhre leicht einen Hochspannungsschlag holen konnte. Der Mac SE diente einer ganzen Generation von Grafikern und Publishern als solides Arbeitspferd.
Weitaus exklusiver als der SE war der Macintosh IIfx, der im Frühjahr 1990 mit System 6.0.5 in die Läden kam – mit einem Preisschild von 9870 Dollar. In dem Rechner steckte der Motorola-Prozessor 68030, der von dem mathematischen Coprozessor Motorola 68882 unterstützt wurde. Dieses hochgezüchtete Rennpferd, das mit 40 MHz getaktet war, blieb aber für viele unerschwinglich.
Susan Kare – die Pixel-Königin
Susan Kare ist eine Künstlerin und Designerin und Pionierin der Pixelkunst. Sie schuf viele der grafischen Oberflächenelemente für den ursprünglichen Apple Macintosh in den 1980er Jahren. Sie war ein wichtiges Mitglied des Mac-Software-Designteams und folgte Steve Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple und arbeitete als Creative Director bei NeXT.
Sie wurde am 5. Februar 1954 in Ithaca, New York, geboren. Ihr Vater war Professor an der University of Pennsylvania und Direktor des Monell Chemical Senses Center, einer Forschungseinrichtung für den Geschmacks- und Geruchssinn. Ihre Mutter brachte ihr das Zählfaden-Sticken bei, während sie sich in Zeichnungen, Gemälde und Kunsthandwerk vertiefte. Ihren Abschluss machte sie 1971 an der Harriton High School (Rosemont, Pennsylvania). Während ihrer Highschool-Zeit lernte sie Andy Hertzfeld kennen, der später einer der wichtigsten Software-Ingenieure bei Apple für die Entwicklung des Macintosh werden sollte.
1975 schloss Susan Kare ihr Kunststudium am Mount Holyoke College, einer privaten Kunsthochschule für Frauen in South Hadley (US-Bundesstaat Massachusetts) mit summa cum laude ab, und zwar mit einer Bachelorarbeit über Bildhauerei. An der New York University erwarb sie 1978 einen Master of Arts und einen Doktortitel in Kunst mit einer Dissertation über „die Verwendung der Karikatur in ausgewählten Skulpturen von Honoré Daumier und Claes Oldenburg“. Ihr Ziel war es, „entweder eine bildende Künstlerin oder eine Lehrerin zu werden“.
Susan Kare hat sich in ihrer Karriere immer auf die bildende Kunst konzentriert. Während der High School absolvierte sie mehrere Sommer lang ein Praktikum am Franklin Institute bei dem Designer Harry Loucks, der sie in die Typografie und das Grafikdesign einführte, während sie mit „Schriftstreifen für Etiketten in einer Dunkelkammer auf einem PhotoTypositor“ arbeitete. Da sie keine Künstlerschule besuchte, baute sie ihre Erfahrung und ihr Portfolio durch zahlreiche Pro-bono-Grafikaufträge auf, z. B. Plakat- und Broschürendesign im College, Urlaubskarten und Einladungen. Nach ihrer Promotion zog sie nach San Francisco, um am Fine Arts Museums of San Francisco (FAMSF) als Bildhauerin und gelegentlich als Kuratorin zu arbeiten.
1982 schweißte Kare im Auftrag eines Museums in Arkansas eine lebensgroße Razorback-Hog-Skulptur, als sie einen Anruf von ihrem Highschool-Freund Andy Hertzfeld bekam. Im Tausch gegen einen Apple-II-Computer bat er sie, ein paar Symbole und Schriftelemente zu zeichnen, die als Inspiration für den kommenden Macintosh-Computer dienen sollten. Sie hatte jedoch keine Erfahrung mit Computergrafik und „wusste nicht das Geringste über das Entwerfen einer Schriftart“ oder Pixelkunst, also griff sie auf ihre Erfahrungen mit Mosaiken, Nadelspitze und Pointillismus zurück.
Hertzfeld schlug ihr vor, sich im University Art Store in Palo Alto ein Rasterheft mit dem kleinsten Millimeterpapier für 2,50 US-Dollar zu besorgen und mehrere 32 × 32 Pixel große Darstellungen seiner Softwarebefehle und -anwendungen zu entwerfen. Dazu gehören ein Scherensymbol für den Befehl „Ausschneiden“, ein Finger für „Einfügen“ und ein Pinsel für MacPaint.

Um bei der Bewerbung bei Apple Eindruck zu schinden, brachte sie nicht nur den Notizblock zum Vorstellungsgespräch mit, sondern hatte sich mit einigen Typografie-Büchern aus der öffentlichen Bibliothek von Palo Alto bewaffnet, um ihr Interesse zu bekunden. „Das Vorstellungsgespräch dauerte fünf Minuten“, erinnerte sich Karen 2014. Die wichtigste Frage lautete: „Wann kannst Du anfangen?“ Und eine Woche später fand sie sich in der Mac Software Group wieder. Im Januar 1983 wurde sie offiziell mit dem Ausweis Nr. 3978 eingestellt. Auf ihren Visitenkarten stand „HI Macintosh Artist“ (HI = Human Interfaces).

Kare arbeitete vor Ort in Cupertino. „Ich habe definitiv durch die Arbeit gelernt“, sagte sie in einem Interview, das Alex Pang am 8. September 2000 führte. „Als ich zum Macintosh kam, gab es keinen wirklichen Icon-Editor, aber es gab eine Möglichkeit, Pixel ein- und auszuschalten. Ich erledigte einige Arbeiten auf dem Papier, aber natürlich war es viel besser, sie auf dem Bildschirm zu sehen.“

„Immerhin gab es einen rudimentären Icon-Editor. Zuerst zeigten sie mir, wie ich die Grafik benutzen und das Hexadezimal-Äquivalent herausfinden konnte, damit es über die Tastatur eingegeben werden konnte. Dann entwickelte Andy (Hertzfeld) einen viel besseren Icon-Editor, der automatisch die Hexadezimalzahlen unter den Icons generierte. So habe ich die ersten Icons erstellt. Ich glaube, ich habe die Schriftarten auf diese Weise erstellt, indem ich Buchstabe für Buchstabe vorging, bevor wir einen Schriftarten-Editor hatten.“
Susan Kare sah bei ihrer Arbeit auf einen Bildschirm wie diesen:

„Sie können einige der kleinen runden Trümmer sehen. Sie enthalten Wörter wie Trash (Papierkorb), Disk Drive (Laufwerk) und Printer (Drucker). Das waren also die Dinge, für die ich Icons erstellen musste. Und auf der rechten Seite sieht man die Verben für diese Schaltflächen. Aus „Do it“ wurde „Okay“. „Do it“ ist vielleicht klarer, aber die Leute haben es als „Dolt“ gelesen. (Dolt= Schafskopf, eine dumme Person).
Zu ihren ersten Macintosh-Entwürfen gehörten die Schriftarten Elefont, Overbrook, Merion, Ardmore und Rosemont. Diese Fonts wurden aber unter anderen Namen bekannt: Nach Einwänden von Apple-CEO Steve Jobs wurden sie nach Großstädten wie Chicago, London, New York und anderen Weltstädten umbenannt. Die Schriftart Chicago war nicht nur eine Systemschrift der ertsne Macintosh-Betriebssysteme, sondern erlebte 2001 mit dem ersten iPod eine Art Wiederauferstehung.


Kare: „Als ich bei Apple ankam, wurde mir erklärt, dass der Macintosh ein Computer für Leute ist, die keine Computerkenntnisse haben, damit deine Mutter ihn benutzen kann. Nicht zu politisch korrekt. Und er sollte wie unsere Computerspiele erkundbar sein, man sollte nicht erst das Handbuch zu Rate ziehen müssen, um ihn zu bedienen, und er sollte freundlich sein. Ich habe also damit begonnen, diese Symbole in 32 mal 32 Pixel zu erstellen. Das war ein Symbol, das ich entworfen habe. Sie sagten einfach, es sollte etwas auf dem Bildschirm sein. 32 mal 32 Punkte, die erscheinen, während der Computer hochfährt.“ Für das berühmte Macintosh-Icon hat Kare auf iht Lieblingssymbol aus der Junior High zurückgegriffen, den Smiley.

Kare wurde auch gebeten, ein Symbol für einen Systemabsturz zu entwerfen. „Ich habe dieses Bild als Bombe entworfen, weil mir gesagt wurde, dass das Icon nie von jemandem gesehen werden würden. Also dachte ich, ich könnte ein wenig respektlos sein. Aber leider war das nicht der Fall. „

Auf der EG-Konferenz im Mai 2014 erzählte Kare eine amüsante Anekdote über das Bomben-Symbol: „Kurz nachdem der Mac auf den Markt kam, waren wir in unserem Softwarebereich und es kam ein Anruf rein – und es war eine Frau, die MacWrite benutzte. Der Mac war war abgestürzt und sie hatte Angst, dass ihr Computer explodieren würde. Da hatte ich ein schlechtes Gewissen.“
Susan Kare, Iconographer (EG8) from eg on Vimeo.
Susan Kares Icons, der lächelnde Mac, die Bombe mit der Zündschnur, die Uhr, die Diskette und der Papierkorb sind legendär.

Für das Icon dere Apple-Befehlstaste fand sie Anregungen in einem Symbolwörterbuch: das Schleifenquadrat , das ursprünglich aus dem alten Skandinavien stammt und später als Markierung für Sehenswürdigkeiten diente. Erst später bekam sie mit, dass es in Schweden tatsächlich Schlösser mit diesem Grundriss gibt.

Kare schuf eine Fülle von „Dingbats“ für ihre Schriften, darunter ein niedliches Tiersymbol, das Merkmale eines Hundes und einer Kuh vereint. Als Clarus, die DogCow, hat es jetzt seine eigene Fangemeinde.
Manchmal zeichnete Susan Kare aus Spaß Bilder ihrer Kollegen im Icon-Format. Ihr digitales Porträt von Steve Jobs wurde ziemlich berühmt.

Susan Kare arbeitete nur drei Jahre lang bei Apple. Doch diese Erfahrung führte sie an die Spitze eines völlig neuen Bereichs des Grafikdesigns. Indem sie nur mit einem Raster aus Pixeln arbeitete, begann sie, eine besondere Art von Minimal-Pointillismus zu beherrschen. Sie verbrachte ihre Tage damit, winzige Punkte ein- und auszuschalten, um sofort verständliche visuelle Metaphern für Computerbefehle zu schaffen.
Ursprünglich bestand ihre Aufgabe darin, einzelne Buchstaben und Zahlen zu formen, um einen Hauch der Eleganz der Druckschrift in den körnigen Bereich der Computerbildschirme zu bringen. Aber Kares denkwürdigstes Vermächtnis ist die spielerische Qualität einiger ihrer Icons. Dabei ist sie darauf bedacht, sich nicht mit fremden Federn zu schmücken: Sie weist stets darauf hin, dass Xerox PARC bereits ein Mülleimer-Icon für das Löschen von Dateien entwickelt hatte: Aber Kares Mülleimer ist so betrachterfreundlich, dass man fast erwartet, dass Oscar der Grouch herausspringt.
1986 folgte Kare Steve Jobs und verließ Apple, um als Kreativdirektorin und zehnte Mitarbeiterin NeXT, Inc. mitzubegründen. Sie stellte Jobs ihren Design-Helden Paul Rand vor und beauftragte ihn mit der Gestaltung des Logos und der Markenidentität von NeXT. Sie selbst entwarf und gestaltete Diashows nach den anspruchsvollen Last-Minute-Vorgaben von Jobs.
Kare erkannte allerdings, dass sie „wieder Bitmaps machen wollte“ und verließ NeXT, um als unabhängige Designerin zu arbeiten. Zu ihren Kunden zählten die Computerriesen Microsoft, IBM, Sony Pictures, Motorola, General Magic und Intel. Zu ihren Projekten für Microsoft gehört das Kartendeck für das Solitaire-Spiel von Windows 3.0, das den ersten Computerbenutzern beibrachte, wie man mit der Maus Objekte auf den Bildschirm bewegt und ablegt.

Viele ihrer Symbole, wie z. B. die für Notepad und verschiedene Kontrollfelder, wurden von Microsoft bis Windows XP im Wesentlichen unverändert übernommen.
Für IBM entwarf sie Bitmap-Symbole mit Nadelstreifen und Designelemente für OS/2. Für General Magic entstand die Karikatur von Magic Cap auf Papas Büro-Desktop. Für das Linux-Projekt Eazel hat sie zusammen mit Andy Hertzfeld und anderen Mitgliedern des ehemaligen Macintosh-Teams grafische Elemente für den Dateimanager Nautilus entworfen, den das Unternehmen der Öffentlichkeit zur freien Nutzung überlassen hat.
Zwischen 2006 und 2010 produzierte Susan Kare Hunderte von 64 × 64 Pixel großen Icons für die virtuelle Geschenkfunktion von Facebook. Für diese Artikel verlangte Facebook jeweils 1 Dollar. Ursprünglich wurden die Gewinne aus den Geschenkverkäufen bis zum Valentinstag 2007 an die Stiftung Susan G. Komen for the Cure gespendet. Das beliebteste Geschenksymbol mit dem Titel „Big Kiss“ wird in einigen Versionen von Mac OS X als Bild des Benutzerkontos angezeigt.

Im Jahr 2007 entwarf sie das Erscheinungsbild, die Icons und die Website für Chumby Industries, Inc. sowie die Benutzeroberfläche für den internetfähigen Wecker.
Seit 2008 kann man im Museum of Modern Art (MoMA) in New York City Notizbücher mit ihren Designs sehen.

Im Jahr 2015 erwarb das MoMA ihre Notizbücher mit Skizzen, die zur frühen Mac-Benutzeroberfläche geführt hatten.


2015 wurde Kare von Pinterest als leitende Produktdesignerin eingestellt – ihre erste Anstellung in einem Unternehmen seit drei Jahrzehnten. Im Februar 2021 wurde Kare Design Architect bei Niantic Labs. Seit 2022 leitet sie gleichzeitig ein digitales Designbüro in San Francisco und verkauft signierte Kunstdrucke in limitierter Auflage.
Steve Wozniak: Der Vater des Personal Computers
Die Erfolgsgeschichte von Apple wird vor allem Steve Jobs zugeschrieben. Er hatte die Vision, wie Computer das Leben der Menschheit verändern kann – und nicht nur für ein paar Nerds im Silicon Valley. Sein technischer Sachverstand war aber begrenzt. Ohne seinen genialen Freund Steve Wozinak hätte es die ersten beiden Computer von Apple, den Apple I und den Apple II, nicht gegeben.
Steve Wozinak kann sich fast auf den Tag genau erinnern, wann für ihn die neue Ära begann: „Es passierte im März 1975 beim allerersten Treffen einer merkwürdigen, schrulligen Truppe von Leuten, die sich Homebrew Computer Club nannte.“ Die Teilnehmer der Runde träumten alle davon, dass Computertechnologie für die Allgemeinheit erreichbar sein sollte. Menschen sollten es sich leisten können, einen eigenen Computer zu besitzen und damit zu arbeiten oder zu spielen.

Zu dieser Zeit gab es noch keine Personal Computer. Über die großen Rechenanlagen von IBM oder Digital Equipment- die damals noch schrankhohe und unbezahlbare Technikmonster waren, verfügten nur Unternehmen, Universitäten und das Militär. Im Homebrew Computer Club im kalifornischen Menlo Park redeten sich die Hobbybastler und Elektronikenthusiasten aber die Köpfe heiß, wie man Computer für die Menschen erschwinglich machen kann.
Wozniak, der am 11. August 1950 in Sunnyvale, Kalifornien, geboren wurde, wuchs mit elektronischen Bauteilen als liebstes Spielzeug auf. Sein Vater war Ingenieur bei der Luftfahrt- und Rüstungsfirma Lockheed. Auch als Teenager lötete „Woz“, wie er von allen Freunden genannt wurde, gerne an Schaltkreisen herum. Er las alles, was er in die Hände bekam, um an diese mysteriösen, unzugänglichen Maschinen zu gelangen, die von einigen Firmen verwendet werden: Computer.
Wozniak war besessen von diesen Geräten und ihrer Funktionsweise. Eines Tages erzählte das junge Wunderkind seinem Vater, dass er in Zukunft gerne einen Computer zu Hause haben würde. Als sein Vater ihm sagte, dass der Computer wahrscheinlich genauso viel kosten würde wie das Haus, antwortete Steve kurz: „In diesem Fall ziehe ich in eine Mietwohnung.“
Auf der High School lernte Steve Wozniak den fast fünf Jahre jüngeren Steve Jobs über einen gemeinsamen Freund, Bill Fernandez, kennen, der seine Begeisterung für Computer teilte. Woz war vier Klassen über Jobs. Aber trotz des Altersunterschieds fanden sie schnell gemeinsame Interessen – von den „elektronischen Sachen“ bis hin zum Spaß an ulkigen Scherzen („Pranks“). Die Freundschaft riss auch nicht ab, als Woz bereits aufs College ging und Steve Jobs immer noch in der High School war.
„Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich“, sagte Jobs einmal. Wozniak brachte ihm auch die Songs von Bob Dylan nahe, gemeinsam jagten sie Live-Mitschnitten seiner Auftritte nach. Und sie verabschiedeten eine Abschlussklasse an ihrer Highschool mit einem riesigen Stinkefinger-Transparent, das sich plötzlich von einem Balkon entrollte. Dieser Streich habe ihre Freundschaft besiegelt, erzählte Jobs später seinem Biografen Walter Isaacson.

Das erste technische Projekt, das Jobs und Wozniak gemeinsam umsetzten, war eigentlich kriminell. Die beiden Freunde hatten im Magazin Esquire einen Artikel gelesen, in dem beschrieben wurde, wie „Phone Pheaks“ das Telefonsystem der USA so manipulierten, dass sie kostenlos Telefonate führen konnten. In dem Artikel stand, dass alle Steuer-Frequenzen für das Netz von AT&T in einem öffentlich zugänglichen Handbuch aufgeführt waren. Während der Telekom-Riese sich daran machte, die Exemplare schleunigst aus den Bibliotheken zu entfernen, schlichen sich die Freunde an einem Sonntag in eine geschlossene Bücherei und sicherten sich die Informationen. Wozniak war der erste, dem es gelang, eine digitale „Blue Box“ zu bauen.

Schon beim „Blue Box Hack“ zeichnete sich die Aufgaben-Aufteilung ab, die später auch bei Apple galt: Steve Jobs war der weitsichtige Geschäftsmann, Woz der geniale Tüftler – Jobs und Wozniak nutzten das Gerät zunächst nur zum Spaß, um selbst kostenlose Ferngespräche zu führen. Einmal riefen sie aus einer Telefonzelle den Vatikan an, Wozniak gab sich als US-Außenminister Henry Kissinger aus und verlangte, dringend den Papst zu sprechen. Zum Kirchenoberhaupt wurden sie nicht durchgestellt – doch die Box funktionierte.

Jobs hatte die Idee, damit Geld zu verdienen. Die Teile kosteten rund 40 Dollar, Jobs setzte den Preis bei 150 Dollar an. Sie machten rund 100 Stück und wurden das meiste davon los.
Mit einer Blue Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer. Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an.
Steve Jobs über die Blue Box
Nach den Worten von Steve Jobs hätte es Apple ohne die Erfahrungen mit der „Blue Box“ nicht gegeben. Schließlich habe man schon bewiesen, wie man mit einfachen Mitteln selbst große Konzerne austricksen kann.

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Im Januar 1973 trat Wozniak eine Stelle bei Hewlett-Packard (HP) an, um am Design von Schaltkreisen zu arbeiten, die für Rechenmaschinen und Taschenrechner verwendet wurden. Bei HP gehörte Wozniak zu dem Entwicklerteam des HP-35, des weltweit ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechners (1972).
Bei HP dominierten damals noch die Ingenieure das Geschehen – und in diesem Umfeld fühlte sich Wozniak glücklich. Allerdings verfolgte er in seiner Freizeit auch Technik-Projekte, die er bei HP nicht umsetzen konnte. Dazu gehörte auch das Programmieren von Computerspielen .
Mit einem von Steve Jobs vermittelten Gig für Atari sicherte sich Steve Wozniak einen Platz in der Geschichte der Computerspiele, denn in nur vier Tagen programmierte Woz die Spielelektronik für das legendäre Game „Breakout“. Bis heute ist nicht klar, ob Steve Jobs seinen Freund bei dem Job übers Ohr gehauen hat. Wozniak schreibt in seiner Autobiografie „iWoz“, er haben von Jobs die Hälfte der 700 Dollar erhalten, die Jobs nach eigenen Angaben dafür bekommen hatte. „Später erfuhr ich, dass er doch etwas mehr für die Arbeit bekommen hatte, als er mir damals gesagt hatte – etwa ein paar Tausend Dollar -, aber wir waren Kids, wissen Sie. Er bekam einen bestimmten Geldbetrag, und mir sagte er, er hätte einen anderen bekommen. Er war nicht ehrlich mit mir, und ich war verletzt. Aber ich machte daraus keine große Sache.“ Soweit Woz in seinem Buch.
In der autorisierten Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson schildert Steve Jobs die Episode ganz anders: „Ich habe ihm die Hälfte des Geldes gegeben, die ich bekommen habe“, sagte er Isaacson. Das sei immer so gewesen.
Geld und ökonomischer Erfolg spielte im Universum von Steve Wozniak eine untergeordnete Rolle: „Ich wollte immer nur Ingenieur sein“, sagte er. Das Design des ersten brauchbaren Personal Computer, des Apple I, wollte er ursprünglich für andere Computer-Bastler offenlegen. Jobs musste ihn überreden, daraus eine Firma aufzubauen und fertige Geräte zu verkaufen.

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Sein Meisterstück lieferte Wozniak mit dem Apple II ab. Der neue Rechner sollte kein Bastel-Projekt wie der Apple I sein, der ja noch ohne ein Gehäuse ausgeliefert wurde. Jobs ließ ein Plastikgehäuse entwerfen und kümmerte sich um entsprechende Produktionskapazitäten. Er sorgte auch dafür, dass die notwendigen Investitionsmittel zu Verfügung standen, indem er Investoren wie Mike Markkula und Arthur Rock mit ins Boot holte.
Woz war fest entschlossen, den Apple II zu bauen, musste zuvor aber noch sein Verhältnis zu seinem geliebten Arbeitgeber HP klären. Apple-Investor Markkula konnte sich nämlich nicht vorstellen, dass Wozniak den neuen Rechner nur in seiner Freizeit entwickeln kann. „Du musst HP verlassen“, lautete seine Ansage an Woz. Nach einigen Hin und her entschied sich Wozniak dann doch, HP den Rücken zu kehren.

Steve Wozniak und Steve Jobs (1977) – Foto: Handout Apple
Der Apple II sollte einfach in der Bedienung und kostengünstig in der Herstellung sein. Woz verwendete dafür einfachste massengefertigte Logikchips statt teurer Spezialchips. Beim Design der Platine erwies sich Woz als Genie, denn ihm gelang, viele Chips einzusparen. Der Apple II konnte Farben und Grafiken darstellen, zudem war er mit seinen acht Steckplätzen einfach und vielseitig erweiterbar. 1978 entwarf Wozniak die gesamte Elektronik für ein Diskettenlaufwerk. Die Mechanik wurde extern zugekauft. Zusammen mit Randy Wigginton schrieb er das Betriebssystem Apple DOS.
Zusätzlich zum Hardwareentwurf programmierte Wozniak die meiste Software, die auf den frühen Apple-Computern lief. Sein sehr eigenwilliger Programmierstil sorgte für ungewöhnlich schnelle und speicherplatzsparende Programme, machte aber zugleich die Wartung durch andere Programmierer fast unmöglich.

Der Apple II erwies sich für Apple als riesiger kommerzieller Erfolg. Diese Rechner war nicht nur für Hobbyisten gedacht, sondern richtete sich auch an Geschäftsleute, die mit der von Dan Bricklin und Bob Frankston entwickelten Tabellenkalkulationssoftware Visicalc ungeheuere Produktivitätsgewinne realisieren konnten. Der Apple II sorgte dafür, dass Apple Computer zu einer weltweit bekannten Marke wurde. Der Börsengang von Apple im Jahr 1980 machte Wozniak und Jobs zu Millionären.
Die Zusammenarbeit zwischen Steve Jobs und Steve Wozniak dauerte aber nicht mehr lange: Im Februar 1981 verunglückte Hobby-Pilot Wozniak beim Start eines Kleinflugzeugs. Auch seine Verlobte war an Bord. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochenlang unter Gedächtnisstörungen. Nach diesem Erlebnis nahm sich Woz eine Auszeit von Apple, organisierte zwei Festivals mit Musik und Technologie. 1983 kehrte er noch einmal zurück – nur um sich 1985 endgültig zu verabschieden. An der Entwicklung des Apple Macintosh war Woz schon nicht mehr beteiligt. Und auch die dramatische Geschichte vom Rauswurf von Steve Jobs im Jahr 1985 und seiner Rückkehr im Jahr 1999 bekam Woz nur noch als externer Beobachter mit, obwohl er formal bis heute ein Angestellter von Apple ist und auch ein symbolisches Gehalt bezieht.
Seitdem jettet Wozniak als Legende aus den Anfangszeiten der PC-Branche durch wie Welt für Auftritte, wie zum Beispiel 2014 auf der Computermesse CeBIT in Hannover. Er spendete viel, tanzte eher ungelenk durch die TV-Show „Dancing with the Stars“ im US-Fernsehen und tauchte als er selbst in der Serie „Big Bang Theory“ auf. Ins aktive Tech-Geschäft kehrte Wozniak noch einmal 2009 als Chef-Wissenschaftler der Speicherfirma Fusion-io zurück, die dann aber vom Konkurrenten SanDisk übernommen wurde.

Foto: Christoph Dernbach
Woz ist auch immer wieder auf wichtigen Produktvorstellungen von Apple als Ehrengast zu sehen, obwohl er auch immer wieder kritisch auf Produktentwicklungen bei Apple reagiert oder Produkte der Konkurrenz lobt.
Auf einer seiner Vortragsreisen wurde Wozniak am 9. November 2023 in Mexiko-Stadt wegen eines „kleinen, aber echten Schlaganfalls“ ins Krankenhaus eingeliefert. Er sollte dort auf einer Wirtschaftskonferenz sprechen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus sagte er laut ABC News, dass er „nach Hause fliegt“.
Der 73-jährige Wozniak erzählte ABC, dass er am Morgen an seinem Computer saß, als er Schwindelgefühle bekam. Er sollte auf dem World Business Forum in Mexiko-Stadt sprechen, einer zweitägigen Veranstaltung, die als wichtigstes Management-Event der Welt angekündigt war. Andere angekündigte Redner waren Carly Fiorina, die ehemalige CEO von Hewlett-Packard, und Muhammad Yunus, ein Pionier der Mikrofinanzierung, der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Wozniak war als Abschlussredner der Konferenz am 10.11.23 vorgesehen.
Steve Wozniak: „Steve Jobs war nicht von Anfang an ein Marketing-Genie“
Steve Wozniak weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Kommunikation ist, insbesondere beim Aufbau eines Unternehmens. Schließlich hat er Apple zusammen mit einem der größten Kommunikatoren und Vermarkter der Tech-Welt aller Zeiten gegründet: Steve Jobs.
Der verstorbene Jobs gilt seit langem als „Genie“. Wie er die Apple-Produkte vermarktete und verkaufte, von denen die meisten in den Anfangstagen des Unternehmens von Wozniak entworfen und gebaut wurden, gilt als legendär. Wozniak erklärt jedoch gegenüber CNBC Make It, dass sein Partner nicht immer ein Marketing- und Kommunikationsguru gewesen sei. „Woz“ sagt, dass dies Fähigkeiten waren, die Jobs entwickeln musste, um zu kompensieren, dass er kein besonders begabter Computertechniker war.
„Er lernte eine Menge Marketingprinzipien, weil er nicht wirklich fähig war, in technischer Hinsicht, Sie wissen schon, Computerhardware [und] Software“, sagt Wozniak über Jobs. „Er musste andere Bereiche finden, um sich wichtig zu machen.“
Letztes Jahr begann Wozniak in der Online-Reality-Show „Unicorn Hunters“ mitzuspielen, unter anderem an der Seite der ehemaligen US-Schatzmeisterin Rosie Rios und des Sängers Lance Bass. In der Show müssen er und die anderen Jurymitglieder Investitionsvorschläge von Tech-Start-up-Gründern entgegennehmen, ähnlich bei der Sendung „Die Höhle des Löwen„, die in Deutschland bei VOX als Ableger der britischen Sendung „Dragons’ Den“ läuft.
Wozniak sagt, er sei manchmal „erstaunt“, wie ineffektiv manche Unternehmer kommunizieren. „Wir haben viele Pitches gesehen, die etwas holprig und stotternd waren, und sie haben sich irgendwie selbst verloren, und das ist nicht hilfreich, wenn man vor Investoren auftritt“, sagt er.

Natürlich könnte Wozniak durch die jahrelange Zusammenarbeit mit Jobs verwöhnt worden sein. Im vergangenen Jahr sagte Wozniak einmal, dass sich die Persönlichkeit von Jobs bei der Gründung von Apple gewnadelt habe. Zuerst sei er lebenslustiger Freund gewesen. Er habe sich dann zu jemandem verwandelt, der es mit dem Aufbau eines Unternehmens sehr ernst meinte, das die Welt verändern sollte. Ein entscheidender Teil dieses Wandels, so Wozniak heute, bestand darin, Jobs bei der Entwicklung seiner Kommunikationsfähigkeiten“ zu beobachten.
„Er war der wichtigste Kommunikator und der wichtigste Entscheider in Sachen Geschäft. Darin war er sehr gut“, sagt Wozniak. Der Apple-Mitbegründer meint, Jobs‘ Fähigkeiten als Kommunikator und Verkäufer hätten Apple geholfen, Produkte wie das iPhone erfolgreich als benutzerfreundlich zu vermarkten. „Das Smartphone war etwas, das auf Jobs‘ Leben anwendbar war“, sagt Wozniak: „Ein verständliches Technologieprodukt in der Hand, das den Durchschnittsbürger nicht verwirrt. Man musste sich nicht mit Technik auskennen [um sie zu benutzen].“
Diese Fähigkeit unterschied Jobs schließlich vom Rest seiner Generation von Technologie-Ikonen. In einem Interview aus dem Jahr 2020 sagte Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, er sei „so neidisch“ auf Jobs, weil er ein so natürlicher Redner gewesen sei. Gates nannte Jobs ein „Genie“, vor allem wegen der Art und Weise, wie er Menschen inspirieren konnte – von Kunden bis hin zu seinen eigenen Mitarbeitern.
Dabei war Jobs oft ein schwieriger und anspruchsvoller Chef. Der ehemalige Apple-Mitarbeiter Guy Kawasaki schrieb 2019, dass die Arbeit für Jobs „manchmal unangenehm und immer beängstigend war, aber sie trieb viele von uns dazu an, die beste Arbeit unserer Karrieren zu leisten.“
Und laut Wozniak war Jobs kein natürlicher Kommunikator. Im Jahr 2020 sagte Wozniak im Podcast „Guy Kawasaki’s Remarkable People“, dass Jobs‘ intensiver, unermüdlicher Drang, ein erfolgreicher Kommunikator und eine Führungspersönlichkeit zu werden, von seinem Wunsch herrührte, letztlich als wichtige historische Figur in Erinnerung zu bleiben – und diese Motivation trieb ihn an, die entsprechenden Fähigkeiten dafür zu entwickeln.
„Manchmal ist die Motivation, etwas zu wollen, viel wichtiger als die tatsächlichen Fähigkeiten“, sagte Wozniak.
Wie Apple sich nach dem Tod von Steve Jobs verändert hat
Am 5. Oktober 2011 hatte Steve Jobs den Kampf gegen sein Krebsleiden verloren. Er wurde nur 56 Jahren alt. Auch zehn Jahre nach seinem Tod ist die Philosophie von Apple untrennbar mit den Vorstellungen des charismatischen Mitbegründers verbunden. Doch wie würde sich Apple nach dem Tod von Steve Jobs entwickeln? Viele Apple-Fans, aber auch professionelle Beobachter und Geschäftspartner, sahen schwarz für die Zukunft von Apple. Doch in den Monaten vor seinem Tod hatte Steve Jobs mit wichtigen Personalentscheidungen selbst dafür gesorgt, dass Apple nicht nur irgendwie weitermachen, sondern sich zu neuen Höhen aufschwingen konnte.
Nachfolger Tim Cook
Die wichtigste Entscheidung, die Steve Jobs wenige Wochen vor seinem Tod getroffen hat, betraf seine eigene Nachfolge. Er übergab das Ruder an Tim Cook, obwohl der Spitzenmanager für das operative Geschäft bislang nicht als charismatische Führungspersönlichkeit aufgefallen war. Seine Berufung als Apple-CEO am 24. August 2011 hatte viele Beobachter verwundert. Cook war zwar – neben Designchef Jony Ive – wohl Jobs‘ wichtigster Vertrauter gewesen. Doch „Tim“, wie ihn alle bei Apple nennen, hatte sich als Logistik- und Produktionsexperte einen Namen gemacht. Er ließ nicht im Ansatz das Charisma erkennen, mit dem Jobs regelmäßig die Massen in seinen Bann gezogen hatte.
Zu den Skeptikern gehörte damals Larry Ellison, der mit dem Apple-Mitbegründer jahrelang eng befreundet war. Der Chef des Softwareriesen Oracle glaubte, dass Apple ohne Steve Jobs dem Untergang geweiht sei. In einem TV-Interview zog er eine Parallele zum Jahr 1985, als der Apple-Aufsichtsrat Steve Jobs aus der Firma gedrängt hatte. In den folgenden zwölf Jahren wurde Apple so runtergewirtschaftet, dass das Unternehmen 1997 kurz vor der Pleite stand und Jobs als Retter zurückgeholt wurde. „Wir haben Apple ohne Steve Jobs gesehen. Wir haben Apple mit Steve Jobs gesehen. Jetzt werden wir Apple ohne Steve Jobs sehen“, sagte Ellison. „Steve Jobs ist unersetzlich.“
Kein Abstieg unter Tim Cook
Doch es kam nach dem Tod von Jobs ganz anders, als Ellison es befürchtet hatte. Apple verkauft so viele Geräte und Dienstleistungen wie noch nie. Im August 2018 ging der iPhone-Hersteller als erster US-Konzern in die Finanzgeschichte ein, der eine Billionen-Dollar-Bewertung an der Börse schaffte. Dieses Jahr waren es bereits 2,5 Billionen.

Neben dem Börsenboom hat nach Experten-Einschätzung vor allem die hohe Kundenloyalität zum Aufstieg beigetragen. „Wenn ein neuer Nutzer anfängt, ein Apple-Smartphone zu benutzen, bleibt er in der Regel bei einem Apple-Smartphone“, sagt Jeriel Ong, ein Aktienanalyst der Deutschen Bank.
Und die Rally ist noch nicht zu Ende. Seit Oktober 2011 hat sich der Aktienkurs splitbereinigt von rund 13 Dollar auf ein Allzeithoch von knapp 150 Dollar gesteigert. Außerdem verwöhnt Cook die Aktionäre regelmäßig mit Dividenden, die Jobs stets abgelehnt hatte. Cook gelang es, mit dem iPhone ständig neue Käufergruppen zu erobern. Außerdem baute er das Angebot von Zusatzgeräten wie der Computer-Uhr Apple Watch oder den AirPods-Ohrhörern aus und platzierte Abo-Dienste wie iCloud und Apple TV+ am Markt. Außerdem gelang es ihm, höhere Preise für seine Produkte zu verlangen, so dass inzwischen ein Großteil der Gewinne der gesamten Branche bei Apple landen.
Neue Akzente durch Tim Cook
Ein großer Präsentator auf der Bühne ist Tim Cook aber auch bis heute nicht. Trotzdem hat er inzwischen eigene Akzente gesetzt, die ihn von seinem Vorgänger deutlich absetzen. Ein Beispiel dafür ist das Thema Umwelt. Steve Jobs lieferte sich 2008 mit Vertretern von Greenpeace noch hitzige Wortgefechte, als die Umweltschützer ihn aufforderten, in den Apple-Produkten auf bromierte Flammschutzmittel zu verzichten. Diese sind unter Umständen giftig, in der Umwelt schwer abbaubar und reichern sich in Lebewesen an.
Unter der Regie von Cook verzichtete Apple nicht nur auf die umstrittenen Flammschutzmittel, sondern auch auf alle anderen Umweltgifte in der Produktion. Außerdem stellte er den Konzern komplett auf erneuerbare Energie um. Dieses ambitionierte Projekt soll nun auch auf die komplette Lieferkette ausgedehnt werden. Diese Veränderung wurde auch von Greenpeace registriert. „Seit Tim Cook die Leitung von Apple übernommen hat, hat er den Umweltschutz zu einem wichtigen Bestandteil der Identität des Unternehmens gemacht“, erklärte die Organisation 2017 bei der Veröffentlichung eines Reports zu Umweltstandards bei Elektronikherstellern.
In der Politik setzt sich Cook offen für die Rechte von Minderheiten und Personen mit LGBTQ+-Hintergrund ein – er ist selbst ein schwuler Mann. Zudem legt er bei Apple Wert auf die Verfolgung einer Datenschutzstrategie, selbst wenn die zuletzt Risse bekommen hatte.
Apple umgekrempelt
Doch was ist mit den Innovationen, die Steve Jobs Apple brachte? Den Mac, das iPhone, das iPad? Hat der Konzern noch so viel Kraft, die Branche umzukrempeln? Die Apple Watch, das erste wirklich neue Produkt unter Cook, hat sich am Markt durchgesetzt, hängt aber am Tropf des iPhone. Bei den Macs ist man zu ARM gewechselt und hat sie wieder richtig flott gemacht. Am „Apple Car“ bastelt der Konzern ebenso noch wie an einer Augmented-Reality-Brille. Solche AR-Technik hält Cook für etwas, was unsere Welt verändern könnte, doch müsste sie dazu endlich fertig werden.
Jobs‘ wichtigster Partner bei Apple, Jony Ive, hat sich zu seinem Todestag mit einem rührenden Brief im Wall Street Journal zurückgemeldet. Am meisten vermisse er die Art, wie Steve Jobs gedacht habe, er sei ständig auf alles neugierig gewesen, habe auch gewusst, wie wichtig gemeinsames Schweigen und Zuhören ist. „Nachdem er gestorben war, ging ich in den Garten. Ich erinnere mich an den Klang der Verriegelung der Holztür, als ich sie sanft geschlossen habe.“ Jobs habe sich immer, wenn er nicht denken konnte, beschwert: „So wie ich mich über meine Knie beschwere.“
Tim Cook meldete sich zum 10. Todestag von Steve Jobs auf Twitter zu Wort und zitierte dort Steve Jobs: „Menschen mit Leidenschaft können die Welt zum Besseren verändern.“ Und dann schrieb Cook: „Kaum zu glauben, dass es 10 Jahre her ist. Wir feiern Dich heute und immer.“
Wer wird der Nachfolger von Tim Cook?
Wie Apple die kommende Führungsgeneration aufbaut
Vor zehn Jahren hat Steve Jobs seinen Nachfolger bestimmt. Inzwischen bereitet sich Apple auch systematisch auf die Nachfolge von Tim Cook vor. Dabei geht es nicht nur um die Chef-Position, sondern um das Management-Team insgesamt. Das soll jünger und diverser werden. An einem ungewöhnlichen Prinzip hält Apple aber fest.
Apple-Chef Tim Cook (60) trat vor zehn Jahren in große Fußstapfen. Mit dem Tod von Steve Jobs hatte der Konzern seine Gallionsfigur verloren – den Mann, der Apple vor der Pleite gerettet und unsere technische Moderne entscheidend geprägt hat. Im Sommer 2001 war bereits klar, dass der von Jobs erkorene neue CEO Tim Cook nicht in der Lage sein würde, die Position des legendären Apple-Mitbegründers komplett auszufüllen.
Doch entgegen mancher Befürchtungen entwickelte sich das Unternehmen unter der Führung von Cook prächtig. Der neue Chef verfügte zwar nicht über das Charisma seines Vorgängers. Aber die Kasse stimmt: Der Umsatz hat sich seit Cooks Amtsantritt mehr als verdoppelt, der Kurs der Apple-Aktie sogar fast verzehnfacht. Damit diese Erfolgsgeschichte auch weitergeschrieben werden kann, wenn Tim Cook irgend nicht mehr an der Spitze steht, arbeitet Apple seit Jahren am Aufbau einer neuen Generation von Führungskräften. Gleichzeitig behält das Unternehmen aber seine Organisationsstruktur bei, die für einen Konzern dieser Größe außergewöhnlich ist.
Vor der Rückkehr von Jobs 1998 war Apple sehr konventionell strukturiert: Der Konzern war in Geschäftseinheiten unterteilt, die sich an den Produkten orientiert – jede mit eigenen Verantwortlichkeiten für die Gewinn- und Verlustrechnung. Es gab jeweils einen Manager für die Macintosh-Produktgruppe, die Software-Produkte und die Abteilung für Server. Wie in vielen Unternehmen dieser Größe, neigten die Manager allerdings dazu, sich untereinander zu streiten. Dabei ging es selten darum, wie man ein Produkt für die Kunden verbessern oder neue visionäre Produkte entwerfen kann, sondern um Themen wie die internen Verrechnungspreise für Dienstleistungen innerhalb des Konzerns, von denen die Anwender aber nichts hatten.
Außergewöhnliche Organisationsstruktur
Steve Jobs zog noch im ersten Jahr nach seinem Comeback die Reißleine und feuerte an einem einzigen Tag alle Geschäftsführer der bestehenden Geschäftseinheiten und verkündete eine umfassende Reorganisation. Das gesamte Unternehmen wurde auf eine konzernweite Gewinn- und Verlustrechnung umgestellt. Damit wurde auch nicht mehr mühsam ausgerechnet, wie sich die einzelnen Bereiche separat schlagen. Seitdem sind Senior Vice Presidents für Funktionen zuständig, nicht mehr für einzelne Produkte. Damit sollte ein einheitlicher Prozess ermöglicht werden, der von der Produktentwicklung über die Produktion bis hin zum Verkauf reicht, ohne dass sich die Manager Gedanken machen müssen, ob ihr Segment auch stets profitabel ist.
An diesem von Steve Jobs eingeführten Prinzip hat Tim Cook auch nicht gerüttelt, obwohl Apple seit der Einführung der Organisationsstruktur gemessen am Umsatz fast 40-mal so groß und weitaus komplexer ist als 1998. Die Position des CEO ist und bleibt der einzige Punkt im Organigramm des Unternehmens, an dem sich Design, Technik, Betrieb, Marketing und der Verkauf der wichtigsten Apple-Produkte treffen. Zu den moderaten Änderungen, die Cook an der Führungsstruktur vorgenommen hat, gehört die Aufteilung der Hardware-Abteilung in die Bereiche Hardware-Engineering und Hardware-Technologien. Außerdem wurde ein neuer Vorstandsposten für den Bereich Künstliche Intelligenz eingerichtet.
Als Cook vor zehn Jahren als CEO das Ruder übernahm, stand ihm vor allem Designchef Jony Ive zur Seite. Der Brite war nicht nur für die Gestaltung der Apple-Geräte verantwortlich, sondern verkörperte so etwas wie Herz und Seele von Apple. Er bestimmte allerdings auch mit seinen teilweise umstrittenen Ideen auch die Technik. So waren letztlich die Vorgabe von Ive, wie dünn die neuen Macbook-Modelle sein müssen, dafür mitverantwortlich, dass Apple mit dem dafür notwendigen Tastatur-Design in Schwierigkeiten kam. Erst mit dem Zugeständnis, dass die Notebooks wieder einen Hauch dicker sein dürfen, damit eine Tastatur mit dem bewährten Scheren-Mechanismus Platz findet, konnte das „Keyboard-Gate“ zu den Akten gelegt werden.
Kronprinz Jeff Williams

Mit dem Ausscheiden von Ive, der Apple Ende 2019 verlassen hat, ist die Position des Chief Design Officers bei Apple vakant. Ives Aufgaben hat Chief Operations Officer Jeff Williams übernommen, der Brite ist angeblich noch als Berater aktiv. Mit der Verantwortung für das operative Geschäft und das Design der Apple-Produkte ist Williams nun aber der mit Abstand mächtigste Mann im Apple-Vorstand hinter Cook.
Williams hat Maschinenbau studiert und genauso wie Konzernchef Cook einen MBA-Titel an der Duke University erlangt. Wie sein Chef ist Williams eher ein Zahlentyp, kein Designer. Mit der Ive-Nachfolge wurden im Designbereich die Strukturen geändert. Jony Ive war noch dem Konzernchef zugeordnet und berichtete direkt an Steve Jobs und später an Tim Cook. Nun unterstehen sowohl der für das Softwaredesign verantwortliche Alan Dye (Vice President of Human Interface Design) als auch die Hardwaredesign-Chefin Evans Hankey (Vice President of Industrial Design) Williams direkt.
Mit der großen Machtfülle wird Williams als der offensichtliche Erbe von Cook angesehen, auch weil er in den vergangenen Jahren unter Cook die globalen Operationen des Unternehmens geleitet hat. Ein Übergang auf Williams wäre allerdings kein Generationswechsel, denn er ist nur zwei Jahre jünger als der 60 Jahre alte Konzernchef.
Nach einem ganz jungen Nachwuchstalent sucht man in der Vorstandsriege aber vergebens. Das Gremium sei „größtenteils mit Senior Vice Presidents besetzt, die mehr als zwei Jahrzehnte bei Apple gearbeitet haben, zig Millionen Dollar verdient haben und im Alter von 55 bis 60 Jahren sind oder sich diesem nähern“, stichelte Apple-Kenner Mark Gurman vom Nachrichtendienst Bloomberg im vergangenen Sommer. Nur Softwarechef Craig Federighi (52) und der neue Senior Vice President für Hardware Engineering, John Ternus (45), fallen aus dieser Reihe.
Nicht mehr Club der grauen Haare
Dabei hat sich in der Ära von Tim Cook bereits eine Menge geändert. Nach Abgang von Ive sitzen nur noch zwei Männer neben Cook im Apple-Vorstand, die dort schon vor zehn Jahren vertreten waren, nämlich Eddy Cue und Jeff Williams. Nicht mehr bei Apple ist der ehemalige iOS-Chef Scott Forstall, der von Tim Cook nach der misslungenen Einführung von Apple Maps im Oktober 2012 gefeuert wurde. Die anderen Top-Manager aus der frühen Cook-Ära sind inzwischen im Ruhestand oder ins zweite Glied zurückgetreten. Dazu gehört auch der ehemalige Marketing-Chef Phil Schiller, der nun nicht mehr Vice President ist, sondern sich als Apple Fellow unter anderem um den App-Store kümmert.
Im Gegensatz zum Team, mit dem Tim Cook vor zehn Jahren angetreten ist, präsentiert sich inzwischen der Apple-Vorstand auch nicht mehr als Club von älteren Männern mit grauen Haaren. Bruce Sewell, bis Ende 2017 der Leiter der Apple-Rechtsabteilung, wurde durch Katherine Adams ersetzt. Als zweite Frau sitzt Retail-Chefin Deirdre O’Brien (55), die Herrscherin über alle Apple Stores, im Vorstand.

Foto: Bozomaasst — CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=91492293
Wie schwer sich Frauen in der Apple-Hierarchie tun, kann man an der Karriere der schwarzen Musik-Managerin Bozoma Saint John (44) ablesen. „Badass Boz“, wie sie sich auf Instagram nennt, startete ihre Laufbahn als Assistentin des Filmemachers Spike Lee und kam 2014 zu Beats Music, dem damals neuen Streaming-Service des Musikproduzenten Jimmy Iovine. Als Beats wenig später für drei Milliarden Dollar von Apple gekauft wurde, wechselte sie mit Beats als Brandmanagerin zu Apple. „Zu der Zeit gab es in den Führungsetagen niemanden, der wie ich aussah“, sagte sie später in einem Interview mit der Zeitschrift „Brigitte“. „Ich bin nicht durch die Vordertür reingekommen, sondern durch ein gekipptes Fenster gekrochen.“
Im Apple-Universum bekannt wurde sie durch einen inzwischen legendären Auftritt auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni 2016. Das Online-Portal Buzzfeed lobte „Boz“ daraufhin als den „coolsten Menschen, der je bei einer Apple-Veranstaltung auf der Bühne stand“. Und „Wired“ fragte sich verwundert: „Wer zur Hölle ist diese Frau und wie konnte Apple sie so lange versteckt halten?“ Apple-CEO Cook ließ sie dann aber schon ein Jahr später wieder weiterziehen, als der Fahrdienstvermittler Uber mit Saint John als „Chief Brand Manager“ sein ramponiertes Image aufpolieren wollte. Mittlerweile ist „Boz“ Marketingchefin bei Netflix, dem erfolgreichsten Streaming-Dienst der Welt mit einem Marktwert von 180 Milliarden Euro.
Experten führen Experten
Für eine noch steilere Karriere bei Apple war Bozoma Saint John dann vielleicht doch zu schillernd. Dabei hätte sie eigentlich gut in das generelle Management-System von Apple gepasst, weil sie eine anerkannte Expertin auf ihrem Gebiet ist. Die Fachpublikation „Harvard Business Review“ beschreibt dieses Grundprinzip so: „Apple konkurriert in Märkten, in denen der technologische Wandel und die Disruption so rasant verläuft, so dass das Unternehmen sich auf das Urteilsvermögen und die Intuition von Personen mit tiefem Wissen über die dafür verantwortlichen Technologien verlassen muss.“ Das Unternehmen müsse Wetten darüber abschließen, welche Technologien und Designs in Smartphones, Computern und anderen Produkten wahrscheinlich erfolgreich sein werden, lange bevor es Markt-Feedback und solide Marktprognosen erhalte. „Wenn man sich auf technische Experten statt auf Geschäftsführer verlässt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass diese Wetten aufgehen.“
Daher haben bei Apple nicht die Betriebswirte, Juristen und andere „General Manager“ das Sagen, sondern die Fachleute. Der iPhone-Hersteller ist ein Unternehmen, in dem Experten andere Experten leiten. Diese Struktur baut auf der These auf, dass es einfacher ist, einem Experten beizubringen, wie man gut managt, als einen Manager zu trainieren, ein Experte zu werden. Selbst Konzernchef Tim Cook hatte Ingenieurswissenschaft studiert, bevor er sich zu einem anerkannten Logistikexperten entwickelte.
Dieses Prinzip fußt aber auch auf den historischen Erfahrungen, die Apple mit Managern wie John Sculley, Michael Spindler und Gil Amelio, die den PC-Pionier in den achtziger und neunziger Jahren fast in den Konkurs geführt haben. Insbesondere die Ära von John Sculley hat bei Apple ein Trauma hinterlassen. Sculley war President bei der PepsiCo und wusste, wie ein großer Konzern gemanagt werden muss. Von Computern hatte er allerdings keine Ahnung. Weil er die Fachwelt aber mit innovativen Werbekampagnen wie der Pepsi-Challenge beeindruckt hatte, wurde auch Apple 1983 auf ihn aufmerksam. Steve Jobs hat ihn dann persönlich mit einem provakanten Spruch geködert. „Willst du für den Rest Deines Lebens Zuckerwasser verkaufen? Oder willst Du mit mir kommen und die Welt verändern?“, fragte Jobs den Top-Manager aus New York.
Historisches Trauma

Das „Dynamic Duo“ aus Sculley und Jobs hielt aber nicht lange zusammen, sondern zerbrach zwei Jahre später über eine Auseinandersetzung, wie der damals neu entwickelte Apple Macintosh zu vermarkten ist. Jobs verlangte Preissenkungen und eine teure Werbekampagne, um den damals noch enttäuschenden Absatz des Macs zu pushen. Sculley wollte lieber den Verkauf des Apple II als Brot-und-Butter-Geschäfts fördern. Jobs unterlag in diesem Konflikt, weil der Verwaltungsrat nicht alles auf die Macintosh-Karte setzen wollte und dem ehemaligen Pepsi-Manager den Rücken stärkte. Daraufhin Jobs verließ Apple 1985 im Streit. „Nun, was soll ich sagen. Ich habe den falschen Typen eingestellt“, sagte Jobs rund zehn Jahre später in der TV-Dokumentation „Triumph of the Nerds“.
Mit der Einstellung von Sculley hatte Jobs gegen seine eigene These verstoßen, dass Apple-Manager Experten in ihrem Fachgebiet sein sollten. In einem Interview aus dem Jahr 1984 sagte er: „Wir hatten diese Phase bei Apple, in der wir dachten: Oh, wir werden eine große Firma sein, lass uns ein professionelles Management einstellen. Wir gingen los und stellten einen Haufen professionelles Management ein. Es hat überhaupt nicht funktioniert. Sie wussten, wie man managt, aber sie wussten nicht, wie man irgendetwas erledigt. Wenn Sie ein großartiger Mensch sind, warum wollen Sie dann für jemanden arbeiten, von dem Sie nichts lernen können?“ Die besten Manager seien „die großartigen individuellen Mitarbeiter, die niemals ein Manager sein wollen, aber entscheiden, dass sie es sein müssen, weil niemand sonst einen so guten Job machen würde.“
Im aktuellen Vorstand ist Craig Federighi das Paradebeispiel für den Grundsatz, dass Experten andere Experten leiten. Der Manager mit der markanten Frisur, mit der er sich selbstironisch auch als „Hairforce One“ beschreibt, ist studierter Informatiker.

Nach seinem Studium hat Federighi schon bei Steve Jobs’ Firma NeXT Computer gearbeitet, wo er die Entwicklung des Enterprise Objects Framework leitete. Nach einem kurzen Einsatz bei Apple sammelte er beim Startup Ariba als Chief Technology Officer erste Management-Erfahrung. Im Jahr 2009 kehrte Federighi zu Apple zurück und übernahm die Leitung der OS-X-Entwicklung. Seitdem kletterte er die Karriereleiter steil hinauf, auch begünstigt durch seine fulminanten Auftritte auf den Entwicklerkonferenzen WWDC und bei Produkt-Keynotes.
Talente bei “Hair Force One”
Im Team von Federighi haben sich zwei Manager ebenfalls einen guten Ruf erarbeitet und für höhere Aufgaben empfohlen, nämlich Jon Andrews und Sebastien Marineau-Mes. Andrews ist für CoreOS zuständig. Das ist die grundlegendste Komponente von Apples Betriebssystemen macOS, iOS, iPadOS, watchOS und tvOS, also die Schicht, die die zugrunde liegenden Funktionen wie drahtlose Netzwerke und das Dateisystem verwaltet. Etliche Apple-Beobachter trauen Andrews zu, seinen Vorgesetzten Federighi einmal beerben zu können, wenn dieser weiter befördert würde oder – was eher unwahrscheinlich ist – Apple verlassen sollte. Marineau-Mes war mal Softwarechef von Blackberry und kam 2014 zu Apple. In den ersten Jahren hatte er die heutige Rolle von Andrews inne, wurde aber 2016 damit beauftragt, sich um das Thema Systemsicherheit sowie um die Apps Fotos und Kamera zu kümmern. In jüngerer Zeit hat Marineau-Mes an Funktionen wie den neuen iOS 14 Widgets gearbeitet.
Zur Truppe von Federighi gehört auch der Deutsche Andreas Wendke, der ebenfalls den Titel „Vice President in Software Engineering“ trägt. Er hat an der Universität Hamburg Physik studiert und arbeitet seit 1997 für Apple. Wendke hatte zuletzt einen großen Auftritt bei der Präsentation der neuen Mac-Generation mit Apples selbst entwickelten M1-Chips. Er durfte vor großem Streaming-Publikum erläutern, welche Vorteile der Umstieg von der Intel-Plattform auf die neuen ARM-Chips haben und wie leicht der Umstieg dank „Rosetta 2“ fallen wird.
Mit seinem Auftritt ist Wendke dem breiten Publikum sogar bekannter als der wichtige Hardware-Manager Dan Riccio (57), in der Apple-Hierarchie über dem Deutschen steht. Riccio war lange Zeit im Apple-Vorstand als Senior Vice President für den Bereich Hardware Engineering zuständig. Er wird auf dem Organigramm des Apple-Managements noch immer auf dieser Position gelistet, obwohl er im Januar durch den Ingenieur John Ternus abgelöst wurde. Zu seiner neuen Rolle hat Apple sich nur kryptisch geäußert. Er dürfte sich aber auf die kommenden Virtual- und Augmented-Reality-Geräte des Unternehmens konzentrieren. Damit dürfte es sich lohnen, die Karriere von Riccio weiter zu beobachten, denn schließlich könnte es sein, dass aus seinem neuen Betätigungsfeld das neue „One More Thing“ kommen wird.
Supertalent John Ternus
Mit seinem Nachfolger auf der Position des Senior Vice Presidents für Hardware Engineering, John Ternus (45), hat Apple einen vergleichsweise jungen Top-Manager in seinen Reihen, der aber bereits über eine große Erfahrung verfügt. So war er bereits unter Riccio für die Hardware-Entwicklung des iPad und des Mac zuständig und zuletzt an der Entwicklung des iPhone 12 maßgeblich beteiligt. In Cupertino sagt man sich, Ternus sei ein angesehener Manager, der die Technologie versteht und trotz seines steigenden Bekanntheitsgrades bescheiden geblieben ist. Mit diesen Eigenschaften könnte er bald in die erste Reihe, auch weil er seinen Teil dazu beigetragen hat, dass der Umstieg von den Intel-Chips auf das Apple Silicon bislang so reibungslos gelaufen ist.
Ternus ist ein Apple-Gewächs: Er hat nach seinem Ingenieursstudium an der University of Pennsylvania nur kurz bei einem Startup gearbeitet, um dort von Apple im Jahr 2001 entdeckt zu werden. Seitdem hat er fast die Hälfte seines Lebens für den iPhone-Hersteller gearbeitet.

Bei der Besetzung wichtiger Posten wird der Konzern aber nicht immer in den eigenen Reihen fündig, sondern muss erfahrene Experten von anderen Silicon-Valley-Größen abwerben. So landete Apple im April 2018 einen großen Coup, als es Tim Cook gelang, Googles Chef für Suche und künstliche Intelligenz, John Giannandrea, einzustellen. Der gebürtige Schotte bekam den lukrativen Auftrag, die strategischen Entscheidungen zu den Bereichen „maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz“ zu verantworten und einer von 16 Führungskräften zu werden, die direkt an den Apple-Chef berichten.
Impulse von außen
Giannandrea, der von seinen Kollegen J.G. genannt wird, dürfte zu den bestbezahlten Apple-Managern gehören, denn Experten aus der ersten KI-Liga können im Silicon Valley auch achtstellige Jahresgehälter verlangen. Bei Google hat Giannandrea entscheidend dazu beigetragen, die Integration künstlicher Intelligenz in alle Google-Produkte voranzutreiben, einschließlich der Internetsuche, Gmail und dem Google Assistant. Die Beförderung von J.G. zum Senior Vice President bei Apple ist aber auch ein Eingeständnis, dass beim iPhone-Hersteller nicht alles rund läuft. Schließlich gehört es auch zur Aufgabe von Giannandrea dem Apple-Sprachassistenten Siri auf die Beine zu helfen, der bislang nicht mit dem Google Assistant oder Amazon Alexa mithalten kann.
Die funktionale Organisationsstruktur von Apple dürfte den Vorstellungen von Giannandrea entgegenkommen. Schließlich wird künstliche Intelligenz in quasi allen Apple-Produkten künftig eine stärkere Rolle spielen. J.G. muss gleichzeitig aber damit klarkommen, dass Apple dem KI-Einsatz deutlich engere Grenzen setzt als sein alter Arbeitgeber. Apple hat eine viel strengere Vorstellung vom Schutz der Privatsphäre der Kunden. Das könnte bei der Entwicklung von Diensten, die neuronale Netzwerke verwenden, von Nachteil sein. Wenn Giannandrea allerdings dieser Spagat gelingt, nämlich Algorithmen zu trainieren, ohne die Privatsphäre zu gefährden, könnte er sich auch für höhere Aufgaben qualifizieren, vielleicht sogar für die Position des Apple CEO.
Andy Hertzfeld – Der Software-Wizard
Software-Entwickler Andy Hertzfeld ist einer wichtigsten Helden der Macintosh-Entwicklung, der aber nur selten im Rampenlicht stand. Er wurde am 6. April 1953 in Philadelphia, Pennsylvania, geboren und wuchs im Osten der USA auf.
Schon in der Schule hatte er einen ersten Zugang zu Computern, obwohl es auf der High School selbst gar keinen Computer gab. „Damals, in den späten 60er und 70er Jahren konnten sich die High Schools keinen Computer leisten, aber es gab einen mit Fernschreibern verbundenen GE-Timesharing-Computer, der etwa 10 Meilen entfernt war. Ich hatte das Glück, in der 11. Klasse ein Programm zu benutzen. Und ich habe damit geredet wie ein Fisch mit Wasser“, erzählte Andy in einem Interview mit NerdTV.
Damals konnte man den Rechner noch nicht in Echtzeit bedienen, sondern musste sein Programm vorab schreiben, es auf ein Lochstreifenband ausdrucken und dieses dann mit einem speziellen Lesegerät einlesen, um das Programm an den Computer zu übermitteln. „Es war etwas umständlich, aber ich habe es trotzdem geliebt.“
Nach der High School, die er zusammen mit Susan Kare besucht hatte, zog Andy Hertzfeld nach Kalifornien um und studierte an der UC Berkeley. Doch nachdem er sich einem Apple II gekauft hatte, fand er die Computerei viel interessanter als die Universität. „Ich fing an, meine ganze Zeit darauf zu verwenden und brach mein Studium ab, um im August ’79 für Apple zu arbeiten.“

Foto: Von StromBer – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14972849
Hertzfeld hat dann einige Produkte für den Apple II entwickelt, vor allem den ersten kleinen, preiswerten Thermodrucker, den Silent Type. Das Können des jungen Programmierer hatte sich dann schnell bis hin zu Steve Job herumgesprochen, der gerade sein Team für die Entwicklung des ersten Apple Maintosh zusammenstellte.
Die Geschichte, wie Andy Hertzfeld für das Macintosh-Projekt rekrutiert wurde, ist legendär: „Steve kam an meinem Arbeitsplatz vorbei. Das war an einem Donnerstagnachmittag“, erinnnert sich Hertzfeld im Podcast „Land of Giants“ im Gespräch mit Peter Kafka. „Ich sagte: ‚Okay, ich fange am Montag an, geben Sie mir nur einen halben Tag Zeit, um meine Arbeit zu dokumentieren, damit jemand anderes sie fortsetzen kann.‘ Und er sagte: ‚Nein, der Macintosh ist die Zukunft von Apple, du wirst jetzt damit anfangen.‘ Und er schnappte sich meinen Apple II von meinem Schreibtisch und ging damit weg. Was konnte ich tun, als meinem Computer zu folgen.

Foto: Tony Wills – CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18512032
So kam Andy Hertzfeld zum Macintosh-Team. Dort schrieb er einen großen Teil der ursprünglichen Systemsoftware für den Mac, darunter die User Interface Toolbox, den Window Manager, Menü-Manager, Controll-Manager. Steve Jobs vermittelte dabei ständig den Eindruck, dass es um ein viel größeres Ziel ging: „Wir haben nicht nur einen Computer entwickelt. Wir wollten die Menschheit retten, wir wollten die Zukunft der Menschheit verbessern. Und deshalb rollt man manchmal ein bisschen mit den Augen, aber der Enthusiasmus ist ansteckend.“
Mit dem legendären Werbespot „1984“ teilte Jobs dann auch der ganzen Welt mit, dass er etwas Weltveränderndes enthüllen würde. Es gab aber noch ein Problem. Damals hatte er dieses weltverändernde Gerät noch nicht wirklich fertiggestellt. Er brauchte Hertzfeld und ein kleines Team, das rund um die Uhr arbeitete, angetrieben von der Idee, dass sie etwas Großartiges schaffen würden.
„Die Fertigstellung der Macintosh-Systemsoftware war ein gewaltiger Kraftakt. Alle Software-Ingenieure, etwa ein Dutzend von uns, waren 48 Stunden ohne Schlaf wach. Wir haben es kaum geschafft“, erinnert sich Hertzfeld. „Am nächsten Tag lagen wir erschöpft auf dem Boden und waren glücklich. Sie wissen schon, hey, wir haben es geschafft. Wir sind endlich fertig.“ Dann kam Steve iund sagte nur: „Steht auf!, ihr seid noch nicht fertig. Ich möchte, dass der Macintosh der erste Computer ist, der sich selbst ankündigt.“
Jobs verlangte also, dass Hertzfeld und sein erschöpftes Team dem Mac das Sprechen beibringen soll. Das war ein technischer Vorstoß, der das Team bis zur letzten Minute an die Grenzen der Belastungsfähigkeit getrieben hat. Und als Jobs dann auf der Apple-Aktionärsversammlung 1984 die Bühne betrat, zog er den Mac aus der Tasche, von dem Hertzfeld nicht wirklich überzeugt war, dass er funktionieren würde.
Jobs hatte hoch gepokert und gewonnen. Es funktionierte. Der Macintosh konnte sprechen, mehr oder weniger zumindest. Und er sah fast knuddelig aus, als würde er lächeln. Und er war versiegelt, dass man ihn nicht öffnen konnte. Im Gegensatz zu anderen Computern, die so konstruiert waren, dass man in den Eingeweiden des Geräts herumstochern und modifizieren konnte, war der Mac für Leute gedacht, die den Unterschied zwischen RAM und ROM oder anderen Computerbegriffen nicht kannten oder sich nicht darum scherten. Einschalten und loslegen, sagt Apple-Experte Peter Kafka.
Andy Hertzfeld: „Der Mac hatte dieses großartige Intro. Die Leute sahen es als die Revolution, die es war.“ Apple begann zunächst mit großem Erfolg, den Mac an Hochschulen zu verkaufen. Aber bereits im Herbst 1984 brachen der Absatz bis Weihnachten 1984 dramatisch ein. Die Verkäufe waren sehr enttäuschend. Sie betrugen vielleicht ein Zehntel von dem, was Apple vorhergesagt hatte.
Andy Hertzfeld verließ Apple im April 1984, ziemlich bald nach der Einführung des Macs. Auf die Frage, warum er Apple den Rücken gekehrt hat, antwortete Hertzfeld bei „NerdTV“:
Andy: Ich hatte einen schlechten Manager, einen Manager, der wollte, dass ich vor ihm salutiere. Ich habe nicht deutlich genug gegrüßt.
Reporter Bob Cringley: Buchstäblich salutieren?
Andy: Das ist eine Metapher. Ich nenne die Geschichte in meinem Buch "zu groß für meine Hosen". Er nahm mich mit auf einen Spaziergang, um mich verbal herauszufordern. In der Zeit, in der ich den größten Teil der Macintosh-Systemsoftware geschrieben hatte, gab er mir eine schlechte Bewertung, weil ich ihm gegenüber ungehorsam war. Das hat mich desillusioniert. Das geschah im Februar 1983. Ich wäre damals gegangen, aber ich war dem Mac zu sehr verpflichtet. Ich musste bleiben, um es zu Ende zu bringen. Aber sobald es Januar 1984 war, ging ich. Ich war immer noch in der Lage, Systemsoftware zu entwickeln. Ich habe Switcher, die erste Multitasking-Umgebung für den Macintosh, als Außenstehender entwickelt - ich konnte sie an Apple zurückverkaufen. Ich wollte dort nicht arbeiten, weil ich den Geist der Mac-Gruppe liebte, aber dann kam dieser Typ - sein Name ist Bob Belleville - der schlechte Manager, der mich dazu brachte, zu kündigen, und nicht in der Lage war, genug Kompromisse einzugehen, um dort zu bleiben. Bob Cringley: Warum hat Steve obs dich nicht beschützt? Andy: Steve hatte es versprochen. Als Bud Tribble, der frühere Manager, gegangen war, hätten Burrell und ich beinahe gekündigt. Wir hatten Angst, einen schlechten Manager zu bekommen, und Steve hatte versprochen, mich zu beschützen, aber zu dieser Zeit hatten wir den Mac im Wesentlichen schon entwickelt. Die technische Arbeit war getan, und was Steve zu diesem Zeitpunkt brauchte, waren Manager, die den Rest von Apple übernehmen konnten. Nachdem der Macintosh auf den Markt gekommen war, bestand sein nächstes Ziel darin, den Rest von Apple in die Mac-Gruppe zu verwandeln. Er hatte erkannt, dass der Rest von Apple nicht so kreativ oder motiviert war wie das Mac-Team, und was man braucht, um das Unternehmen zu übernehmen, sind Manager, keine Innovatoren oder Techniker. Bob: In diesem Moment brauchte er also Bob Belleville mehr als Sie? Andy: Das war es, was ich dachte. Etwas später dachte er wohl, dass er mich mehr brauchte, aber zu dieser Zeit, ja. Und natürlich ist das alles irgendwie auf ihn zurückgefallen. Er (Steve) wurde kurz darauf bei Apple rausgeschmissen… sehr zum Leidwesen von Apple. Es hätte Apple fast umgebracht.
Nach seinem Weggang half seinem Freund Burrell Smith, der die digitale Hardware für den Mac entwickelt hatte, bei der Gründung eines Unternehmens namens Radius im Jahr 1986, das Peripheriegeräte für den Mac herstellte. Die Verbindungen zu Apple rissen aber nicht ab. Hertzfeld hat weiterhin Systemsoftware an Apple verkauft. Im Jahr 1990 gründete er zusammen mit Bill Atkinson, der eine Art Mentor für das Mac-Projekt war, eine Firma namens General Magic, die einige der ersten Handheld-Computer herstellte. Zunächst war Apple an dem Unternehmen beteiligt und unterstützte General Magic. Es gab dann aber einen Punkt, wo der damalige Apple-CEO zu der Entscheidung kam, dass Apple nicht länger General Magic unter die Arme greifen, sondern selbst ein ähnliches Produkt auf den Markt bringen sollte,
„Apple war unser Wohltäter bei der Gründung von General Magic, aber etwa ein Jahr später beschlossen sie dass sie lieber General Magic SEIN wollten und versuchten, uns aus der Welt zu schaffen. Das ist schließlich gelungen, aber es hat ein paar Jahre gedauert.“
Andy Hertzfeld verließ General Magic 1996, um quasi im Vorruhestand ein Internet-Hobbyist zu werden . Es ließ sich eine dicke T-1-Leitung zu seinem Haus. „Irgendwann hatte ich alle vier Lebensmittelbanken in der Bay Area von diesem Haus hier aus gehostet.“
Für den richtigen Ruhestand war es aber noch viel zu früh. „Im Februar 1998, zur Zeit der Ankündigung von Mozilla, wurde ich von dem Virus der freien Software befallen. Ich war verzweifelt über die strukturellen Probleme in der Softwareindustrie und plötzlich, nachdem ich Eric Raymonds Buch ‚The Cathedral and the Bazaar‚ gelesen hatte, wurde mir klar, dass freie Software der Weg zu einer offenen und fairen Softwareindustrie sein könnte.“
Hertzfeld beschloss, sich für einen Wandel in der traditionellen Software-Industrie einzusetzen. Im August 1999 gründete er ein Unternehmen namens Eazel, das freie Software leichter nutzbar machen sollte. Eazel konnte allerdings seine zweite Finanzierungsrunde nicht sichern, so dass er die Firma im Mai 2001 wieder schließen musste.
Danach begann er, mit Mitch Kapor zusammenzuarbeiten. Das ist der Mann, der das legendäre Tabellenkalkulationsprogramm „Lotus 1-2-3“ entwickelt hat. Hertzfeld half Kapor dabei, die Open Source Applications Foundation ins Leben zu rufen. Zusammen entwickelten sie einen innovativen Personal Information Manager namens Chandler. Danach startete er ein Projekt, um die Erinnerungen der Macher des ersten Apple Macintosh für die Nachwelt zu sichern.
Dafür hat Hertzfeld sogar eine eigene Software entwickelt, um diese Erinnerungen im Web zu veröffentlichen: das Folklore-Projekt. Dazu hat er eine Website mit dem Namen folklore.org eingerichtet, die sich dem widmet, was Hertzfeld „kollektives historisches Erzählen“ nennt – einer Gruppe von Menschen zu ermöglichen, zusammenzuarbeiten und ihre gemeinsamen Geschichten zu erzählen. Rechtzeitig zum 20. Geburtstag des Mac im Jahr 2004 hat er etwa 60 Anekdoten über die Entwicklung des Mac im Internet veröffentlicht. Daraus entstand dann das Buch „Revolution in The Valley: The Insanely Great Story of How the Mac Was Made“
Die letzten Jahre seines aktiven Berufslebens verbrachte Hertzfeld dann bei Google.
Von August 2005 bis Juli 2013 arbeitete Hertzfeld für Google, dort war er hauptverantwortlich für die Benutzeroberfläche von Google+.
Mittlerweile befindet sich Hertzfeld hauptsächlich im Ruhestand und bezeichnet sich selbst als retired Hacker, er tritt mitunter aber noch als Investor, zuletzt in das Start-up Spatial, in Erscheinung.
Quellen:
Interview Christoph Dernbach mit Andy Hetzfeld am 25. August 2011 auf der WWDC 2011.
Interview Robert Cringely (NerdTV) mit Andy Herzfeld
https://web.archive.org/web/20120728185354/https://www.pbs.org/cringely/nerdtv/transcripts/001.html
The Kamla Show: Silicon Valley Pioneers: Andy Hertzfeld
Podcast: „Land of Giants“ mit Peter Kafka, Episode 2: „This Changes Everything“
Seite „Andy Hertzfeld“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. November 2020, 10:39 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Andy_Hertzfeld&oldid=206048172 (Abgerufen: 13. Oktober 2021, 20:18 UTC)
Steve Jobs: „Stay hungry, stay foolish“ – Deutsche Übersetzung der Stanford-Rede
Am 12. Juni 2005 hielt Apple-Gründer Steve Jobs eine Rede vor Absolventen der Stanford-Universität. Er hatte gerade eine erfolgreiche Krebsbehandlung überstanden. Nie wieder sprach Jobs so offen über sein Leben.
In der Rede erzählte er einige persönliche Anekdoten und Reflexionen über sein Leben und seine Karriere. Er sprach über seine Erfahrungen am College, seine ersten Jahre bei Apple und seine Zeit außerhalb des Unternehmens sowie über seinen Kampf gegen den Krebs.
Eines der bekanntesten Zitate aus seiner Rede lautet:
„Die Arbeit wird einen großen Teil eures Lebens ausfüllen. Und der einzige Weg, wirklich zufrieden zu sein, ist das Bewusstsein, dass man großartige Arbeit macht. Und der einzige Weg, großartige Arbeit zu machen, ist, dass man liebt, was man tut. Wenn ihr es noch nicht gefunden habt – sucht weiter. Gebt euch nicht zufrieden. Wie mit allen Herzensangelegenheiten werdet ihr es wissen, wenn Ihr es gefunden habt. Und wie jede großartige Beziehung, wird es mit den Jahren nur besser und besser. Also sucht weiter, bis ihr es findet. Gebt nicht auf.“
Er forderte die Absolventen auf, ihren Leidenschaften zu folgen, sich nicht zufrieden zu geben und das Beste aus ihrer Zeit zu machen. Er betonte auch die Bedeutung von Liebe, Arbeit und Tod im Leben und die Notwendigkeit, sich selbst treu zu bleiben. Sie sollten keine Zeit damit verschwenden, das Leben eines anderen zu leben. „Bleibt hungrig! Bleibt tollkühn!“
Der volle Text der Ansprache in einer Übersetzung ins Deutsche (German translation):
Celebrating Steve Jobs (1955-2011)
Apple-Mitbegründer Steve Jobs starb am 5. Oktober 2011 im Alter von 56 Jahren. Zwei Monate zuvor war er als CEO zurückgetreten und hatte Tim Cook zu seinem Nachfolger ernannt. Cook meldete sich zum 10. Todestag auf Twitter zu Wort:
Tim Cook erinnert an Steve Jobs
Außerdem schrieb Cook eine E-Mail an die Apple-Belegschaft zum 10. Todestag von Steve Jobs:
Team,
Heute ist der 10. Jahrestag von Steves Todestag. Dies ist ein Moment, um sein Leben zu feiern und über das außergewöhnliche Erbe nachzudenken, das er hinterlassen hat.
Steve glaubte, dass „Menschen mit Leidenschaft die Welt zum Besseren verändern können“. Das ist die Philosophie, die ihn zur Gründung von Apple inspirierte. Und sie lebt heute in uns weiter.
Steve war so vielseitig: brillant, witzig und weise, ein Ehemann, ein Vater, ein Freund und natürlich ein Visionär. Er forderte uns auf, die Welt nicht so zu sehen, wie sie war, sondern so, wie sie sein könnte. Und er hat so vielen Menschen, mich eingeschlossen, geholfen, das gleiche Potenzial in sich selbst zu sehen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke.
In diesem Jahr werden wir wie in jedem anderen Jahr daran erinnert, welch tiefgreifenden Einfluss unsere Produkte auf die Welt haben. Ich schätze mich glücklich, dass wir unsere Tage damit verbringen, innovative Werkzeuge zu entwickeln, die Menschen miteinander verbinden, sie zum Umdenken inspirieren und sie befähigen, ihren eigenen Beitrag zum Universum zu leisten. Das ist eines der vielen Geschenke, die Steve uns allen gemacht hat.
Ich wünschte, Steve wäre hier, um zu sehen, wie sein Geist in all eurer erstaunlichen Arbeit weiterlebt. Aber vor allem wünschte ich, er könnte sehen, was Sie als nächstes tun. Steve sagte einmal, dass seine stolzesten Errungenschaften die sind, die noch vor ihm liegen. Er verbrachte jeden Tag damit, sich eine Zukunft vorzustellen, die niemand sonst sehen konnte, und arbeitete unermüdlich daran, seine Vision zum Leben zu erwecken.
Steve war eine einzigartige Persönlichkeit, aber er hat uns allen beigebracht, wie man aufsteigt. Ich vermisse ihn, und ich werde ihn immer in Ehren halten.
Tim

Foto: Christoph Dernbach
Auch Jony Ive, der viele Jahre an der Seite von Steve Jobs als Chef-Designer gearbeitet hat, meldete sich in „Wall Street Journal“ zu Wort:
Ich habe kaum über Steves Tod nachgedacht.
Meine Erinnerungen an diesen brutalen, herzzerreißenden Tag vor 10 Jahren sind verstreut und zufällig. Ich kann mich nicht daran erinnern, zu seinem Haus gefahren zu sein. Ich erinnere mich an einen dunstigen Oktoberhimmel und an zu enge Schuhe. Ich erinnere mich, dass Tim und ich danach lange Zeit still im Garten zusammensaßen.
Seit ich Steves Trauerrede gehalten habe, habe ich nicht mehr öffentlich über unsere Freundschaft, unsere Abenteuer oder unsere Zusammenarbeit gesprochen. Ich habe nie die Flut von Titelblättern, Nachrufen oder die bizarren Falschdarstellungen gelesen, die in die Folklore eingegangen sind.
Laurene und ich stehen uns nahe. Unsere Familien sind sich seit fast 30 Jahren nahe. Wir haben Todesfälle miterlebt und Geburten gefeiert. Wir sprechen ständig miteinander, oft über Steve, aber selten über meine Arbeit mit ihm. Meistens sprechen wir über die Zukunft und ihre außergewöhnliche und inspirierende Arbeit mit dem Emerson Collective.
„Ich liebte es, wie [Steve] die Welt sah. Die Art, wie er dachte, war zutiefst schön.“
Wenn ihre brillanten und wissbegierigen Kinder mich nach ihrem Vater fragen, kann ich mir einfach nicht helfen. Ich kann stundenlang über den bemerkenswerten Mann sprechen, den ich so sehr geliebt habe.
Wir arbeiteten fast 15 Jahre lang zusammen. An den meisten Tagen aßen wir zusammen zu Mittag und verbrachten unsere Nachmittage in der heiligen Stätte des Designstudios. Das waren einige der glücklichsten, kreativsten und fröhlichsten Zeiten meines Lebens.
Ich liebte es, wie er die Welt sah. Die Art, wie er dachte, war zutiefst schön.
Er war ohne Zweifel der wissbegierigste Mensch, den ich je getroffen habe. Seine unersättliche Neugier war weder durch sein Wissen oder seine Erfahrung eingeschränkt oder abgelenkt, noch war sie beiläufig oder passiv. Sie war wild, energisch und rastlos. Seine Neugierde wurde mit Absicht und Strenge ausgeübt.
Viele von uns haben eine angeborene Veranlagung, neugierig zu sein. Ich glaube, dass nach einer traditionellen Ausbildung oder bei der Arbeit in einem Umfeld mit vielen Menschen die Neugier eine Entscheidung ist, die Absicht und Disziplin erfordert.
In größeren Gruppen konzentrieren sich unsere Gespräche auf das Greifbare, das Messbare. Es ist bequemer, einfacher und gesellschaftsfähiger, über Bekanntes zu sprechen. Neugierig zu sein und zaghafte Ideen zu erforschen war für Steve viel wichtiger als gesellschaftsfähig zu sein.
Unsere Neugierde verlangt, dass wir lernen. Und für Steve war der Wunsch zu lernen viel wichtiger als der Wunsch, Recht zu haben.
Unsere Neugierde verband uns. Sie bildete die Grundlage für unsere freudige und produktive Zusammenarbeit. Ich glaube, sie milderte auch unsere Angst, etwas erschreckend Neues zu tun.
Steve beschäftigte sich mit der Art und Qualität seines eigenen Denkens. Er erwartete so viel von sich selbst und arbeitete hart daran, mit einer seltenen Vitalität, Eleganz und Disziplin zu denken. Seine Strenge und Hartnäckigkeit legten die Messlatte schwindelerregend hoch. Wenn er nicht zufriedenstellend denken konnte, beklagte er sich auf dieselbe Weise, wie ich mich über meine Knie beschwere.
Als aus den Gedanken Ideen wurden, wie zaghaft und zerbrechlich sie auch sein mochten, erkannte er, dass dies geheiligter Boden war. Er hatte ein tiefes Verständnis und eine große Ehrfurcht vor dem kreativen Prozess. Er verstand, dass dem Schaffen ein seltener Respekt entgegengebracht werden sollte – nicht nur, wenn die Ideen gut oder die Umstände günstig waren.
Ideen sind zerbrechlich. Wenn man sie auflösen würde, wären sie keine Ideen, sondern Produkte. Man muss sich sehr anstrengen, um sich nicht von den Problemen einer neuen Idee auffressen zu lassen. Probleme sind leicht zu formulieren und zu verstehen, und sie nehmen den Sauerstoff weg. Steve konzentrierte sich auf die eigentlichen Ideen, wie unvollständig und unwahrscheinlich sie auch sein mögen.
Ich hatte gedacht, dass mich die Erinnerung an meinen besten Freund und kreativen Partner und an seine außergewöhnliche Vision jetzt trösten würde.
Aber natürlich nicht. Zehn Jahre später gelingt es ihm, sich einem einfachen Platz in meiner Erinnerung zu entziehen. Mein Verständnis von ihm weigert sich, gemütlich oder still zu bleiben. Es wächst und entwickelt sich.
Vielleicht ist es ein Kommentar zu dem täglichen Getöse der Meinungen und der hässlichen Eile zu urteilen, aber jetzt vermisse ich vor allem seine einzigartige und schöne Klarheit. Über seine Ideen und Visionen hinaus vermisse ich seine Einsicht, die Ordnung in das Chaos brachte.
Das hat nichts mit seiner legendären Fähigkeit zu kommunizieren zu tun, sondern mit seiner Besessenheit von Einfachheit, Wahrheit und Reinheit.
„[Steve] glaubte wirklich, dass wir unsere Liebe für die Menschheit zum Ausdruck bringen, indem wir etwas Nützliches, Ermächtigendes und Schönes schaffen.“
Letztendlich glaube ich, dass dies auf die grundlegende Motivation hinweist, die ihn antrieb. Ihm ging es nicht um Geld oder Macht, sondern darum, seine Liebe und Wertschätzung für unsere Spezies greifbar zu machen.
Er glaubte wirklich daran, dass wir unsere Liebe zur Menschheit dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir etwas Nützliches, Ermächtigendes und Schönes schaffen.
Als Steve Apple in den achtziger Jahren verließ, nannte er sein neues Unternehmen NeXT. Er war sehr gut bei der Namensgebung.
Nach fast 30 Jahren verließ ich Apple, angetrieben von meiner Neugier zu lernen und neue Wege zu entdecken, einen nützlichen Beitrag zu leisten. Es ist Steves starke Motivation, die den Namen meines nächsten Abenteuers, LoveFrom, geprägt hat.
Ich habe das absurde Glück, dass ich immer noch mit meinen lieben Freunden bei Apple zusammenarbeite, aber ich habe auch das große Glück, dass ich mit einigen neuen Freunden etwas erforschen und erschaffen kann.
Laurene und ich arbeiten endlich zusammen. In Wahrheit arbeiten wir schon seit Jahrzehnten zusammen.
Steves letzte Worte an mich waren, dass er unsere gemeinsamen Gespräche vermissen würde. Ich saß auf dem Boden neben seinem Bett, mit dem Rücken an der Wand.
Nachdem er gestorben war, ging ich in den Garten hinaus. Ich erinnere mich an das Geräusch des Riegels an der Holztür, als ich sie vorsichtig zuzog.
Im Garten saß ich und dachte darüber nach, wie sehr das Reden oft dem Zuhören und Denken im Weg steht. Vielleicht ist das der Grund, warum wir so viel Zeit miteinander verbracht haben, ohne zu reden.
Ich vermisse Steve sehr, und ich werde es immer vermissen, nicht mit ihm zu reden.