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Steve Jobs (6): Das Dynamic Duo bricht entzwei – Neustart mit Pixar

Steve Jobs (5) – Die Macintosh-Piraten

Schwieriger Start für den Mac

Mit dem Macintosh hatte Steve Jobs einen neuen Meilenstein der Computer-Entwicklung gesetzt. Doch Apple musste zunächst eine lange Durststrecke überwinden, um den kommerziellen Durchbruch zu schaffen. Das lag auch daran, dass das erste Mac-Modell mit 128 Kilobyte Hauptspeicher deutlich zu knapp ausgestattet war. Apple-Fellow Alan Kay beschrieb den Mac damals als einen „Honda mit einem Ein-Gallonen-Tank“. Außerdem fehlten damals noch die Anwendungen wie Aldus Pagemaker oder Peripheriegeräte wie der Laserdrucker, mit denen man später die Stärken der Mac-GUI im Desktop Publishing nutzen konnte.

Apple-CEO John Sculley warf Jobs im Herbst 1984 vor, die Absatzprobleme des Macs einfach zu ignorieren, die auch technische Ursachen hatten. Die magere Ausstattung des ersten Mac-Modells machte ihn langsam. Außerdem mussten die Anwender ständig zwischen System- und Programm-Disketten hin- und herwechseln, weil der Mac kein zweites Diskettenlaufwerk oder eine Festplatte hatte. „Ich hatte Steve (als Leiter der Mac-Division) zu einer größeren Macht verholfen, als er jemals besessen hatte. Und ich hatte damit ein Monster geschaffen“, schrieb Sculley später in seinem Buch „Odyssee“.

Im April 1985 eskalierte der Konflikt. In einem zweitägigen Marathon-Meeting verlangte Sculley, Jobs den Posten des Apple Vice President und General Managers der Macintosh-Abteilung zu entziehen. Steve Jobs sollte nach dem Willen von Sculley neuer Apple-Chairman werden und die Firma nach außen hin vertreten, ohne Einfluss auf das Kerngeschäft zu haben. Als Jobs von den Entmachtungsplänen Wind bekam, versuchte er einen Putsch im Apple-Board zu organisieren. Sculley wehrte sich und sagte dem Vorstand: „Schaut her, das ist Steves Firma. Ich wurde hierher geholt, um zu helfen. Und wenn ihr Steve die Firma führen lassen wollt, ist das auch in Ordnung. Wir müssen aber entscheiden, was wir tun wollen. Und jeder muss hinter dieser Entscheidung stehen.“ Die Mehrheit im Board stand hinter dem Ex-Pepsi-Mann und wandte sich von Steve Jobs ab.

Jobs verliert im Showdown

'Der Fall des Wunderkindes' auf dem Titel von Newsweek
‚Der Fall des Wunderkindes‘ auf dem Titel von Newsweek

Ende Mai 1985 verlor Jobs seine Verantwortlichkeiten und wurde auf den Chairman-Posten abgeschoben. Im September 1985 verließ der Apple-Mitbegründer mit einer Handvoll Leute das Unternehmen, um NeXT Computer zu begründen. „Ich bin erst 30 Jahre alt und möchte noch etwas leisten und erreichen“, schrieb Jobs zum Abschied an Mike Markkula. Die Reaktionen der Apple-Beschäftigten auf den De-facto-Rauswurf offenbarten beide Seiten des Steve Jobs: Andy Hertzfeld, einer der Väter des Macintosh, trauerte Jobs offen hinterher, obwohl auch er von ihm mit rüden Methoden angetrieben worden war: „Apple hat damals seine Seele verloren“, sagte der Software-Entwickler, der nach dem Weggang von Jobs Apple verließ und zuletzt mit dem Design von Google+ Schlagzeilen machte. Larry Tesler, der von Xerox zu Apple gekommen war, sprach aber auch die dunkle Seite des Mitbegründers offen an: „Jeder war an irgendeinem Punkt von Steve Jobs terrorisiert worden. So waren manche erleichtert, dass der Terrorist gegangen war.“

Jobs verkaufte 1985 alle seine Apple-Aktien bis auf eine und hatte damit rund 70 Millionen Dollar auf dem Konto. Durch einen Zufall wurde er in dieser Zeit auf die zum Verkauf stehende Trickfilmabteilung von George Lucas aufmerksam. Der StarWars-Regisseur hatte sich 1983 von seiner Frau scheiden lassen und war klamm. Zumindest konnte sich Lucas nicht mehr leisten, Jahr für Jahr Millionen Dollar in die innovative, aber ökonomisch nicht besonders erfolgreiche „Graphics Group“ von Lucasfilm zu stecken. Jobs kaufte Lucas die Abteilung für fünf Millionen Dollar ab und investierte weitere fünf Millionen in die Firma, die nun Pixar hieß.

Bei der Entwicklung des Macintosh hatte sich Jobs um jedes noch so winzige Detail gekümmert und war seinen Mitarbeiten mit seiner Kompromisslosigkeit immer wieder auf die Nerven gegangen. Dem Pixar-Management ließ er hingegen große Freiheiten. Doch dieser Spielraum zahlte sich zunächst nicht aus. Das eigentliche Kernprodukt, der Pixar Image Computer zur Animation von Filmsequenzen, verkaufte sich nur schleppend. Dafür sammelten die Kurzfilme des genialen Pixar-Angestellten John Lasseter auf Filmfestivals einen Preis nach dem anderen ein, obwohl die Streifen eigentlich nur als Demos für die Leistungsfähigkeit der Pixar-Hardware gedacht waren. Deshalb fokussierte sich Pixar Anfang der neunziger Jahre auf die Filme selbst, nicht mehr auf die Hardware.

Mit „Toy Story“ zum Milliardär

Der Durchbruch gelang Lasseters Mannschaft mit dem computeranimierten Zeichentrickfilm „Toy Story“, den Pixar für Disney produziert hatte. Mit einem Produktionsetat von 30 Millionen Dollar spielte der Film über 360 Millionen an den Kinokassen und in der Zweitvermarktung ein. Kurz nach dem Start von „Toy Story“ am 29. November 1995 ging Pixar an die Börse.

Steve Jobs, der inzwischen sein Vermögen aus der ersten Apple-Ära durch die ständigen Zuwendungen an NeXT und Pixar fast aufgebraucht hatte, wurde dadurch zum Milliardär. „Andere haben einfach den Istzustand hingenommen“, sagte George Lucas nach dem Tod von Jobs. „Das Magische bei Steve war, dass er bei allem, was er berührt hat, das wahre Potenzial erkannte und bei seiner Vision keine Kompromisse einging.“

Weiterlesen: Teil 7 – Auf zu neuen Ufern mit NeXT

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Steve Jobs (1955-2011)

Als Steve Jobs 2007 der Welt das iPhone vorstellte, verkündete er voller Stolz: "Apple hat das Telefon neu erfunden." An Selbstbewusstsein und Gespür, dass seine Produkte die Welt verändern, hat es dem Mann mit dem schwarzen Rollkragenpullover nie gefehlt. Mit den coolen Produkten, die den Apfel als Markenzeichen tragen, hat Jobs nicht nur eines der faszinierendsten Kapitel der modernen Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Mit den Apple-Rechnern, dem iPod und vor allem dem iPhone und dem iPad trieb er die PC- und Internet-Revolution voran wie kaum ein anderer.

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