Home » 30 Jahre Apple Macintsoh » 30 Jahre Apple Macintosh – Der Mac in der System-Krise (1994-1997)

30 Jahre Apple Macintosh – Der Mac in der System-Krise (1994-1997)

30 Jahre Apple Macintosh – Teil 4

Mit Beginn der 90er Jahre geriet Apple mit seinen Macs in immer größere Schwierigkeiten. Spätestens mit der Version 3.0 machte Windows von Microsoft der Oberfläche immer stärker Konkurrenz. Apple versuchte, mit Geräten für den Massenmarkt wie der „Pizzaschachtel“ LC und später mit der Performa- und Quadra-Familie gegenzuhalten und konnte immerhin zeitweise seinen Absatz erhöhen. Allerdings gelang es Apple immer weniger, einen Premium-Preis für die Macs zu rechtfertigen, so dass die Gewinne in diesen Jahren immer weiter sanken. Außerdem war sowohl bei den Prozessoren als auch beim Betriebssystem eine Generalüberholung überfällig.

Der Macintosh LC erhiel den Spitznamen "Pizzaschachtel"
Der Macintosh LC erhiel den Spitznamen „Pizzaschachtel“

1994 waren die Motorola-Prozessoren der 680×0-Plattform an ihrem Zenit angekommen. Apple hatte schon zuvor begonnen, gemeinsam mit IBM und Motorola eigene Chips unter dem Namen PowerPC zu entwickeln. Die Transformation auf neuartige RISC-Architektur muss rückblickend als technische Meisterleistung gewertet werden, weil die Kunden eine deutlich höhere Geschwindigkeit erhielten, ohne sich an ein neues System gewöhnen oder ihre Software komplett austauschen zu müssen. Innerhalb von neun Monaten konnte Apple über eine Million Power Macs verkaufen.

Ein Variante des Power Macintosh schrieb Design-Geschichte: Zum 20. Gründungstag von Apple Computer am 1. April 1996 kündigte Apple mit einer merkwürdigen Verzögerung auf der MacWorld Expo im Januar 1997 den Twentieth Anniversary Macintosh an, der kurz vor dem 21jährigen Firmenjubiläum dann tatsächlich auch für stolze 7.499 Dollar (entspricht heute inflationsbereinigt 11.000 Dollar) auf den Markt kam. Die technischen Spezifikationen entsprachen in etwa dem Power Macintosh 6500, der allerdings „nur“ 2999 Dollar kostete.

[doptg id=“2″] Für ihr Geld erhielten die Kunden des auffällig gestalteten Sondermodells einen 12-Zoll-Aktivmatrix-Flüssigkristallbildschirm, ein von Bose entworfenes Soundsystem mit einem externen Subwoofer sowie einen eingebauten TV-Tuner. Der „TAM“ wurde den Käufern von einem Concierge-Dienst nach Hause gebracht und in Betrieb genommen. In einem echte Video-Schätzchen kann man den jungen Designer Jony Ive bewundern, der erläutert, wie der Twentieth Anniversary Macintosh hergestellt wurde und welche Features er bietet:

Doch die Idee floppte trotz des Einsatzes von Ive, der den TAM wesentlich mitgestaltet hatte. Kurz vor der Einstellung des Produkts im Frühjahr 1998 ging es dann auch weniger vornehm zu als beim Produktstart. Die Restbestände wurden für knapp 2.000 Dollar verramscht und mussten von den Käufern selbst abgeholt werden. Heute ist der TAM allerdings ein begehrtes Sammlerobjekt.

Der Erfolg von Apple mit den PowerMacs lenkte von einem grundlegenden Problem ab, das nach der Vorstellung von Windows 95 durch Microsoft im August 1995 offen zu Tage trat. Die Kombination der „Wintel“-PCs (Intel-Chip und Windows als Betriebssystem) war enorm erfolgreich und in der Regel deutlich preiswerter als die Macs.

Bill Gates präsentiert Windows 95
Bill Gates präsentiert Windows 95

In dieser Phase konnte Apple nicht mit eigenen Innovationen entgegenhalten. Ganz in Gegenteil: Mac-Anwender klagten immer häufiger über dubiose Fehlermeldungen, die das in die Jahre gekommene Mac-Betriebssystem in Serie ausspuckte.

Das Macintosh-System unterstützte damals kein präemptives Multitasking. Es gab keinen Mehrbenutzerbetrieb, Speicherbereiche konnten weder geschützt noch dynamisch verwaltet werden. Deshalb war das traditionelle Mac-System konzeptionell sehr anfällig für Instabilitäten. In der Konzernzentrale in Cupertino wurden diese Schwierigkeiten zwar zur Kenntnis genommen. Doch der Versuch, System 7 durch ein von Grund auf neugeschriebenes Betriebssystem mit dem Codenamen „Copland“ zu ersetzen, scheiterte grandios.

Mac OS Copland
Mac OS Copland

John Sculley hatte zu diesem Zeitpunkt das Unternehmen längst verlassen, und auch sein Nachfolger, Michael Spindler („The Diesel“), ein Deutscher, konnte das Ruder nicht herumreißen. Im Februar 1996 musste Spindler den Chef-Posten für Gil Amelio räumen, dem der Ruf eines klassischen Sanierungs-Managers vorauseilte.

Auf der Suche nach einem neuen Mac-Betriebssystem war bei Apple sogar ein Umstieg auf Windows NT von Microsoft im Gespräch. Amelio erwog aber auch, BeOS des ehemaligen Apple-Spitzenmanagers Jean-Louis Gassée einzukaufen. Doch letztlich setzte sich Steve Jobs mit seinem NeXT-System durch. Er war nach seinem Rauswurf nicht nur mit dem Trickfilmstudio Pixar zu einem Hollywood-Tycoon aufgestiegen, sondern hatte mit NeXT den Versuch unternommen, die Computer der nächsten Generation zu bauen. Die schwarzen Würfelrechner liefen mit dem modernen NeXTstep-Betriebssystem, das auf Unix beruhte.

Weiterlesen: Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)

30 Jahre Apple Macintosh

Teil 1: Von der Vision zum Launch (1980-1984)
Teil 2: Der Fehlstart (1984-1985)
Teil 3: Auf dem Weg in die Nische (1986 – 1994)
Teil 4: Der Mac in der System-Krise (1994-1997)
Teil 5: Der Neuanfang mit Steve Jobs (1997-2001)
Teil 6: Der iMac als Digital Hub (2001-2014)
Teil 7: Mac Pro (2006-2014)
Teil 8: Der mobile Erfolg (2008-2014)
Teil 9: Die Zukunft des Macs

Check Also

Fünf Jahre Apple ohne Steve Jobs

Vor seinem Tod gab Apple-Chef Jobs seinem Nachfolger einen wichtigen Rat. Er solle sich niemals fragen: "Was würde Steve jetzt tun?": Das hindert Beobachter nicht daran, genau immer wieder diese eine Frage zu stellen - zumal Apple erstmals seit Jahren nicht mehr wächst.

Kommentar verfassen